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Ludwig van Beethoven

Duett WoO 32 „mit zwei obligaten Augengläsern“

 

Bearbeitung für zwei Violen

Von Michael Denhoff

Notenausgabe Edition Gravis, EG 2704

 

 

Zur Einführung:

 

Den Anstoß zu meiner Einrichtung des Beethovenschen Duetts für zwei Bratschen gab die konkrete Anfrage eines Duos, welches sein Repertoire für zwei gleiche Instrumente erweitern wollte. Da die Cellostimme des Duetts durchaus virtuos und dialogisch gleichwertig zur Violastimme angelegt ist, unter Nutzung auch recht hoher Lagen des Instrumentes, war es naheliegend, solch eine Bearbeitung vorzunehmen. Lange Passagen konnten dabei in ihrer ursprünglichen Lage verbleiben. Dort wo notwendig, wurde nach oben oktaviert, mit möglichst elegantem und unauffälligem Übergang. Gelegentlich war es dabei notwendig, auch in die Violastimme einzugreifen und diese ebenfalls eine Oktave höher zu legen.

Da Beethoven das Werk nicht selbst für eine Druckausgabe vorbereitete, gibt es im Manuskript keine Angaben zur dynamischen Gestaltung oder zu den Phrasierungen.

In dieser Ausgabe sind diese also zunächst nur als mögliche Vorschläge zu verstehen und mögen den praktischen Umgang mit diesem Gelegenheitswerk von Beethoven erleichtern.

Ausgangspunkt meiner Einrichtung waren folgende Ausgaben: International Music Company (Fritz Stein), Breitkopf & Härtel (Willy Hess) sowie G. Henle Verlag (Emil Platen).

 

Michael Denhoff, Bonn 2019

 

 

„Duett mit zwei obligaten Augengläsern“ hat Beethoven eigenhändig eine

Komposition für Bratsche und Cello überschrieben, die er auf vier Blättern notiert aber nie zu einer Veröffentlichung gebracht hat. Diese sind uns in jenem aus über hundert einzelnen Blättern und Lagen ungeordnet zusammen-gebundenen Skizzen-Konvolut aus Beethovens frühen Wiener Jahren überliefert, welches das British Museum 1875 von dem Sammler Johann Nepomuk Kafka erworben hat. Der erste Satz und das Menuett finden sich auf zwei verschiedenen Papieren innerhalb dieses Kafka-Skizzen-Konvoluts.

Da wir wissen, dass Beethoven Brillenträger war, wird er vermutlich sich selbst im Titel als einen der beiden Musiker gemeint haben. In seiner Bonner Zeit war er bekanntermaßen über mehrere Jahre Bratschist in der Hofkapelle, und auch in Wien hat er sein Spiel weiter gepflegt. Wir wissen, dass er bei Wenzel Krumpholz, der seit 1795/96 Konzertmeister an der Wiener Hofoper war, Geigenunterricht nahm, was auch seinem Bratschenspiel zugute kam.

Zwei Augengläser können zwei Brillen sein – oder auch nur eine, eben mit zwei

Gläsern. Insofern erscheint es müßig, für den Adressaten des Celloparts einen

Brillenträger finden zu wollen. Wegen der Bemerkung „je vous suis bien obligè pour votre faiblesse de vos yeux“ in einem Briefchen Beethovens an seinen Wiener Freund, den ungarischen Hofbeamten und Liebhaber-Cellisten Nikolaus Zmeskall, diesen als Cellopartner zu vermuten, erscheint keine ausreichende Begründung zu sein (s. auch Emil Platen im Vorwort zu seiner Ausgabe des Duos im Henle-Verlag). Die durchaus anspruchsvolle Faktur der Cellostimme des Duetts legt auf jeden Fall einen erwiesenermaßen versierten Cellisten als Adressaten der Komposition nahe.

Die Komposition stammt aus einer Zeit, in der Beethoven mit gleich zwei

herausragenden Cellisten sehr nahen Kontakt hatte. Menuett und Trio notierte

Beethoven auf einem in Berlin erworbenen Papier (Bl. 119). Auf diesem Blatt finden sich auch Notate zu den Cellosonaten op. 5. Die Sonaten hatte Beethoven bekanntlich bei seinem Aufenthalt in Berlin im Mai/Juni 1796 für Jean-Louis Duport, den ersten Cellisten am Hofe Friedrich Wilhelms II., geschrieben. Auf dem „Berliner“ Blatt finden sich außerdem auf frei gebliebenen Systemen eine – nur einstimmige – Trio-Alternative sowie fünf Takte aus der Cellostimme des ersten Satzes des Duetts. Das Papier, auf das Beethoven dann den ersten Satz vollständig ausführte (sowie auf zweieinhalb Systemen Notate zu einem weiteren (langsamen?) Satz) (Bl. 135-137) war eines, das er in Wien benutzte, frühestens nach seiner Rückkehr aus Berlin im Herbst 1796. Im Herbst 1796 hielt sich ein anderer namhafter Cellist in Wien auf: Bernhard Romberg. Er spielte in Bonn mehrere Jahre zusammen mit seinem Cousin, dem Geiger Andreas, und Beethoven am Bratschenpult, im Bonner Hoforchester. Im Herbst 1796 haben die beiden Rombergs auf dem Rückweg ihrer Italienreise in Wien Station gemacht. Natürlich haben sie bei dieser Gelegenheit auch ihren Bonner Freund Beethoven aufgesucht. Man weiß von einem Hauskonzert bei Beethovens Jugendfreund aus Bonner Zeiten, Lorenz von Breuning, im Oktober, bei dem die beiden Rombergs und Beethoven gemeinsam musizierten, und von einer Akademie, die von den Vettern am 28. oder 29. Dezember des Jahres im Burgtheater gegeben wurde, bei der Beethoven ebenfalls mitgewirkt hat.

Was und wer auch immer der Auslöser für das Duett gewesen sein mag: Die Idee zu der Komposition kam Beethoven womöglich während seines Aufenthaltes in Berlin und der Zusammenarbeit mit Duport im Frühsommer 1796, und der Besuch der Rombergs in Wien ab Herbst 1796 mag die Weiterarbeit, die Ausarbeitung des ersten Satzes und Gedanken zu einem weiteren Satz, befördert haben.

 

Martella Gutiérrez-Denhoff

 

 

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