Pressestimmen

__________________________________________________________________________________

 

    Fono Forum Portrait im Oktoberheft 2000

 

 

zur CD

Gesamtwerk für Player Piano(s)

 

zur CD

Skulpturen –

Klavierzyklus

 

zur SACD

Seven – Septette

 

 

zur CD

Sounds and

Shadows

 

 

zur CD

Hauptweg und

Nebenwege

 

 

 

 

zur SACD

Credo

 

zur SACD

„the cello in my life”

 

zur CD

Mallarmé-Zyklus

 

zur CD

Hebdomadaire

           

 

      

 

     

 

 

 

 

INNOVATION AUS DER TRADITION

Portrait Michael Denhoff                                                     

(in Auszügen)

 

von Gregor Willmes

 

1980 wurde in Bonn beim Internationalen Beethovenfest vom LaSalle Quartett „Fragmente – Stille, an Diotima“ von Luigi Nono uraufgeführt. Michael Denhoff kann sich noch genau daran erinnern. Denn das Streichquartett, das heute zu Nonos wichtigsten Werken gezählt wird, machte einen nachhaltigen Eindruck auf den damals 25-jährigen Cellisten und Komponisten. 20 Jahre später werden beim Beethovenfest 2000 „Aufzeichnungen für Steichquartett und Klavier“ von Michael Denhoff uraufgeführt, die den Titel „Hauptweg und Nebenwege“ und die Opuszahl 83 tragen. Beteiligt sind das Auryn-Quartett und die Pianistin Birgitta Wollenweber, die sich schon häufiger für Denhoffs Werke stark gemacht haben.

Für den Komponisten ist das knapp drei Stunden lange Werk etwas ganz Besonderes, denn es begleitete ihn durch ein ganzes Jahr. (...) Wer die Partitur in die Hand nimmt, die in der Edition Gravis erschienen ist, der kann Denhoffs Arbeit im Jahr 1998 haarklein verfolgen. Denn das Werk gliedert sich in zwölf Teile, welche den 12 Monaten entsprechen, die allerdings ohne Pause ineinander übergehen. Die Sätze wiederum sind – der Anzahl der Tage entsprechend – unterteilt in 30, 31 oder auch nur 28 Abschnitte (Februar). (...) Denhoff treibt hier ein Prinzip auf die Spitze, das er – nicht ganz so streng – bereits 1990 in seinem Klavierzyklus „Hebdomadaire“ ausprobiert hatte: „Damals wollte ich versuchen, eine Art Kompendium meines musikalischen Denkens zu formulieren, allerdings sehr verknappt auf Klavierminiaturen. Ich hatte mir vorgenommen, jede Woche im Jahr ein Stück zu schreiben.“ (...) Allerdings wirkt der Klavierzyklus eher wie das kleinere Schwesterwerk. Michael Denhoff beschreibt das neue Stück als „Resümee mit bekenntnishaftem Charakter“ und erläutert: „Dieser Klangweg hat auch für mich sehr viele Überraschungen gebracht. Und es wurde nach und nach, je mehr ich in der Partitur fortgeschritten bin, immer mehr auch eine Art Erinnerungsarbeit, sowohl an die eigene musikalische Vergangenheit, als auch mit versteckten Verweisen an die Komponisten, die mir besonders wichtig sind. Das steht auch in Form von Widmungen an den entsprechenden Stellen in der Partitur. Die musikalischen Zitate sind allerdings so versteckt, dass sie kaum jemand mitbekommt.“

Neben den musikalischen Anspielungen an Alban Berg, Franz Schubert, Morton Feldman, Gustav Mahler (Ausdrucksgestalt im Fortissimo), Bernd Alois Zimmermann, Béla Bartók u. v. a. – die den „Klangbriefen“ in „Hebdomadaire“ entsprechen – und private Zueignungen finden sich in der Partitur des op. 83 von Novalis über Ungaretti bis zu Beckett auch zahlreiche „Literaturschnipsel“, die – wie in „Fragmente – Stille, an Diotima“ nur den Musikern, nicht aber dem Publikum zugänglich sind. Und es ist bestimmt kein Zufall, sondern eher wohl ein bewusster Verweis, dass das Nono gewidmete Stück zusätzlich mit einem Hölderlin-Zitat versehen ist.

Kunst – etwa in den „Goya-Kompositionen“ aus den 80er Jahren -, vor allem aber Literatur dienen Denhoff häufig als Inspirationsquelle für sein Komponieren. Dabei wird weder versucht, die Malerei eins zu eins zu übertragen, noch im Falle der Literatur immer das gesprochene Wort in die Musik einzubinden. In seinem Mallarmé-Zyklus op. 75, der gerade auf CD erschienen ist, spielt das gesprochene oder gesungene Wort genauso wenig eine Rolle wie in seinem Klavierzyklus „Atemwende“ nach Paul Celan oder im dritten Streichquartett, das sich auf das Gedicht „Mystiques barcarolles“ von Paul Verlaine bezieht. (...)

Dabei scheint es gerade das Dunkle, das Offene, das Unbestimmte, das Vieldeutige zu sein, das Denhoff an Mallarmés „UN COUP DE DES“, aber auch an Texten von Dichtern wie Hölderlin oder Celan fasziniert und interessiert. Und es finden sich Parallelen zu seiner eigenen Arbeit, wenn er unter den vielen Definitionen, die er bereits für das Komponieren gefunden hat, auch formuliert: „Unsagbares in Klängen sagen; Töne sprechen lassen“ oder „andeuten nicht beschwören“.

Für Michael Denhoff ist längst nicht „alles, was klingt“ (John Cage) Musik. Für ihn gehört die Struktur, die bewusste Gestaltung, das schöpferische Subjekt, zum musikalischen Kunstwerk, wenn er feststellt: „Für mich ist Musik gestaltete Zeit; mit Klängen gestaltete Zeit.“ Und die Dimension der Zeit ist für den Komponisten, dessen Werke von „Hauptweg und Nebenwege“ über den „Mallarmé-Zyklus“ bis „Hebdomadaire“ vielfach abendfüllend sind, wesentlich: Sätze wie „Wer die Zeit vergisst, hat Zeit“, „Musik verändert das Verhältnis zur Zeit“ oder „Hören ist erlebte Zeit, erfüllte Zeit, geschenkte Zeit“ offenbaren viel über sein Musikverständnis. Obwohl die Lebensuhr weiterläuft, hat er das Gefühl: „In der Zeit, in der ich aufmerksam zuhöre, wird mein Leben verlängert.“ (...)

 

zurück zur Bibliographie

 

 

 

 

Aktuelle CD-Kritiken:

 

 

Michael Denhoff – Gesamtwerk für Player-Piano(s)

InTROvention – Zwölf Inventionen op. 88 – Cadenabbiaer Glockenbuch op. 78a

Jürgen Hocker, Player Pianos

MDG CD 645 1408-2

 

 

Klangbeispiel: Invention Nr. 11 (Anfang)

 

 

CD Compact, Mai 2010

 

El sello Dabrinhaus und Grimm continúa con su larga serie de discos dedicados a la música de pianola como excusa para recuperar la obra de Conlon Nancarrow, y ahora nos ofrece de octavo volumen de su colección Player Piano, dedicado a las composiciones del compositor y violoncellista alemán Michael Denhoff, concebidas como parte de la tradición iniciada por el propio Nancarrow. No en vano, las 12 Invenciones para una o varias pianolas (pistas 2 a 13) son el conjunto más perfecto entre los escritos al margen de su legado, e su entrada en el compacto está justificado tanto por su extraordinaria complejidad creativa como por su capacidad para homenajear la inteligencia del autor : un compositor que en este sentido ha sabido medir milimétricamente las sucesiones de sonidos y dinámicas en un minimalismo exquisito enriquecido en cada caso por los instrumentos : Un gran piano Bösendorfer con mecanismo Ampico y un gran piano Fischer al que se la ha añadido el mismo mecanismo.

Mayor complejidad tiene si cabe el Cadenabbiaer Glockenbuch, Op. 78a, recogido en versión para dos pianolas, con el que se imitan los modelos ritmicos de los carrilliones que tanto fascinaban a Michael Denhoff en sus años jóvenes con combinaciones que llegan al colmo de la elaboración en los últimos movimientos (pistas 22 a 26). En otro orden de cosas, la utilización de grandes pianos de cola a los qu se le ha añadido el sistema Ampico añade una nueva dimensión no siempre vista en los anteriores discos de esta colección, ya que se sustituye el sonido mecánico de la pianol al uso por sonidos propiamente pianisticos en los que se amplian unas posibilidades sonoras imposibles en los diez dedos de los que dispone cualquier intérprete.

 

Roberto Diaz Ramos

 

 

Diverdi, Boletin enero 2010

 

Este octavo volumen de la serie Player Piano dedicada por MDG a dar a conocer versiones tímbricamente matizadas de los Estudios para pianola de Conlon Nancarrow da entrada a las obras para este instrumento de Michael Denhoff. El compositor alemán, cuyo ciclo Hauptweg und Nebenwege editado hace unos años por Col legno aunaba rigor constructivo y musicalidad, vuelve a demostrar esas cualidades en sus 12 Invenciones para pianola, la más extensa producción para player piano desde las de Nancarrow. A diferencia de éste, más interesado por las arquitecturas contrapuntísticas complejas y las rítmicas vertiginosas, Denhoff se concentra en el aspecto armónico, proporcionando a cada fragmento un carácter y color único. Por lo demás su horizonte contrapuntístico aspira a una mayor claridad siguiendo las pautas de algunas partituras de J.S. Bach, lo que desemboca en una música instalada en el presente pero capaz de servirse con inteligencia de la tradición. A favor de estas 12 Invenciones destaca un uso de los recursos ofrecidos por la pianola alejado de pirotecnias y fáciles efectismos en beneficio de una integración de sus posibilidades en un discurso refinado y personal. Como dato en contra, decir que el compositor no logra siempre explotar las múltiples posibilidades dinámicas y rítmicas ni jugar con la rapidez de ataque de un instrumento recuperado por la modernidad gracias a esas cualidades. Con todo resultan interesantes esas veloces cadencias por todo el teclado contrastantes con un ralentizado despliegue sonoro, lo que genera singulares fricciones y crispaciones en un marco coherente de actuación. El monográfico se completa con Cadenabbiaer Glockenbuch, versión para dos pianolas a partir de una pieza previa inspirada por los carillones de iglesia, cuyos sonidos son traducidos aquí con sentido lúdico y ensoñador.

                                  

Javier Palacio

 

 

Musikweb International, May 2009

 

That must have been a heck of a week in the Immanuelskirche – I’ve only just noticed that all of the MDG Player Piano series have the same recording session dates. Prepared and produced under the expert guidance of Jürgen Hocker, this entire production of works by and in the tradition of Conlon Nancarrow is here recorded under ideal conditions, with Bösendorfer and Fischer grand pianos controlled by vintage Ampico player piano mechanisms from the 1920s. The mechanical noise of the blowers needed to operate these machines has been removed by the simple idea of having them in a different room to the space in which the pianos were recorded, and with MDG’s excellent recording techniques this is about as good as it’s ever going to be.

 

Influenced by Conlon Nancarrow, Michael Denhoff’s output for player piano is second only to the grand master of this medium, who is also very well served by previous volumes in this series. There are most definite echoes of Nancarrow in Denhoff, with the first of the 12 Inventions having a characteristic ‘walking’ bass with increasingly ‘unplayable’ material over the top. I’m reluctant to use too many quotation marks in reviews, but when it comes to player piano music it is sometimes hard to avoid them. The disc opens with the post-minimal Introvention mit Bach (...Steve Reich ist auch dabei...), which is a very nice introduction to the programme, and serves as a good clue to Denhoff’s relationship to the player piano. Like Nancarrow, he allows for a certain amount of wit, and the introduction of recognisable styles as partial influences on some of the pieces. Nancarrow’s work does however have a more thoroughly developed rigour, and a greater sense of logic seen through to its absolute and irrefutable conclusion. Denhoff is a little more eclectic, with occasional whiffs of Messiaen and others, but he also uses varieties of canons and similar techniques to pursue the sheer dramatic potential of the player piano.

 

There are some incredible pieces here. In the 12 Inventions there are two-piano canons, mirror forms and inversions, vast sound-fields of texture, those amazingly regular runs and impossible to imitate accelerandi, rhythmic relationships both percussive and exotic, and layering of material which teases the brain and makes listening to each piece like the reading of a poem or story which you know will take several perusals before its secrets can make themselves truly understood. This is not to say that the idiom of the music is particularly difficult. Yes, there are the more uncomfortable clusters of something like Invention No.5, but you can set this against the fascinating exploration of relatively few notes in Invention No.6 in which you feel your muso-intellectual sap rising to meet the more than inviting challenge. A kind of jazzy improvisational madness takes over in Invention No.9, and another delight is the metrical relationships in Invention No.10 which, over a deceptively plodding basic pulse, mixes rhythmic ratios to create great vertical heaps of almost baroque ornamentation. The final Invention No.12 is a gorgeously restive chorale of chimes, which links well with the next set of pieces.

 

The Cadenabbiaer Glockenbuch derives its inspiration from the composer’s fascination with peals of bells whose differing speeds create a chaos of overlapping rhythmic patterns. In collaboration with Jürgen Hocker, Denhoff has created a special version of this set of ‘etudes’ for the two Ampico player pianos recorded here.

This exploration of relatively few notes as a basis has a fascination as well as an essential weakness, as the sonorities of the original bells are inevitably more interesting than those of the strings of a piano. As well as this, the pieces are sequentially often variations of one or more of the previous pieces, so that for me a sense of saturation set in fairly quickly. This I have to be said is added to a somewhat embedded familiarity with these sonorities. I grew up in a small village whose church bells also went through these kinds of sequences. The tower was cracked so that real ‘bells up’ change ringing was impossible, and the patterns described in the pieces in the Cadenabbiaer Glockenbuch are to me like the ticking of Martinů’s clock. As a small child I experimented endlessly on our old Moon upright piano with those same five or so notes like a kind of obsessive Microcosmos (Bk.1) and so, however sophisticated, have to declare a personal love/hate relationship with this material. Denhoff’s studies in the Cadenabbiaer Glockenbuch are admirably exploratory and extensive, and the anti-metric effect of the two pianos creates some interesting effects. The final Postludium has a grand Cathédrale engloutie feel, but a few versions fewer of the other pieces would have done no harm in the final reckoning.

 

This disc is well up to the usual production standard of MDG’s Player Piano series, and anyone collecting the set simply must have it to go along with the rest. With only my very subjective and personal reservations about the Cadenabbiaer Glockenbuch echoing dimly, I can unhesitatingly endorse Michael Denhoff’s work for player piano and Nancarrow/Ligeti fans alike.

 

Dominy Clements

 

 

Dilettante Music Ltd.

 

Jürgen Hocker is responsible for restoring two player pianos on which Conlon Nancarrow's Studies for Player Piano could be played, and also for restoring the piano rolls themselves. He set up the pianos according to the composer's specifications, and history owes him a debt for having made it possible to finally hear Nancarrow's Studies the way the composer intended. Hocker has made the instruments available to other composers and encouraged the creation of a new repertoire for the player piano, and this disc of music by German composer Michael Denhoff is a result of that enterprise. His Introvention mit Bach (…Steve Reich ist auch dabei…) is a goofy, tongue-in-cheek juxtaposition of a Bach invention with the theme from Reich's Piano Phase. The other two pieces on the CD are considerably more substantial: multi-movement works that take the player piano in some directions that Nancarrow didn't develop. Whereas Nancarrow was primarily concerned with melody, counterpoint, and canons in complex ratios, Denhoff adds to those elements the exploration of harmony, texture, and considerably more rhythmic freedom. The effect in some of his movements is reminiscent of Nancarrow, particularly in the spirit of whimsicality that often characterizes the older composer. Denhoff is an independent thinker, though, and he brings an individual voice to the possibilities of the instrument. The 12 Inventions for Player Piano(s) are endlessly imaginative and engaging explorations of pianistic sonorities a human player could never produce. In the 13 short movements of Cadenabbiaer Glockenbuch, most of them lasting about a minute to a minute and a half, Denhoff takes the sound of bells as his inspiration, and the clangorous effect is atmospheric and lovely. MDG's sound is immaculate. The CD should be of strong interest to new music fans, particularly those who love Nancarrow and want more of a similar sonic experience.

 

Stephen Eddins, All Music Guide

 

 

 

CLASS aktuell, Heft 2009/1

 

Noch nie hat ein Komponist nach Nancarrow so umfangreich zeitgenössische Kompositionen fürs Selbstspielklavier ersonnen und zur Aufführung gebracht. Der heute in Bonn lebende Michael Denhoff hat zwei Dutzend Inventionen und Etüden geschrieben und auf den liebevoll restaurierten Original-Instrumenten von Jürgen Hocker als Vol. 8 der Plaver-Piano-Reihe bei MDG eingespielt.

Die enormen technischen Möglichkeiten der Ampico-Selbstspielmechanik werden von Komponisten seit 90 Jahren genutzt. Zuerst überschritten Strawinsky, Hindemith, Casella u. a. die Grenzen der manuellen Spielbarkeit. Dann sorgte Nancarrow mit seinen extravaganten auf Lochstreifen gestanzten Studies für Furore: Wir erinnern uns an vielstimmige Triller und unwirkliche Klangorkane mit 100 Anschlägen pro Sekunde...

Die Wiedergabe kompliziertester Metren und Rhythmen in absoluter Präzision sowie eine stufenlose Dynamik von pp bis ff sind weitere Vorteile des um 1920 hervorragend ausgereiften Ampico-Systems, das in dieser ambitionierten MDG-Reihe ein lebendiges Denkmal erhält.

In bewusster Anlehnung an J.S. Bach gab Denhoff seinen Werken den Titel "lnventionen", weil sie dessen kontrapunktische Techniken nutzen und erweitern. Der Gesamtzyklus umfasst zwölf Stücke für zwei Player Pianos. Jede „Invention“ hat dabei ihr eigenes, unverwechselbares Gesicht – von der Ein- bis zur Zwölfstimmigkeit.

Ein Aufenthalt am Comer See verhalf Michael Denhoff zu einer weiteren Idee: Die seit Ewigkeiten ungleich gestimmten Glocken zweier entfernt stehender Kirchen faszinierten ihn so sehr, dass daraus die 13 Etüden seines Cadenabbiaer Glockenbuchs entstanden, die er dann zu einer speziellen Fassung für zwei Selbstspielklaviere umarbeitete.

 


 

Michael Denhoff – Skulpturen – Klavierzyklus op. 76

Martin Tchiba, Klavier

Telos Music Records CD TLS 088

 

 

Klangbeispiel: Skulptur III op. 76, 3 (Ausschnitt)

 

 

NMZ / März 2010

 

Skulpturale Fantasien

Neue Partituren, vorgestellt von Max Nyffeler

 

Eine reizvolle Idee liegt dem Klavierzyklus „Skulpturen“ von Michael Denhoff zugrunde. Die fünf Stücke sind das Resultat eines Zwiegespräches ohne Worte mit dem Bildhauer Wolfgang Ueberhorst, bei dem jeder Partner mit den ihm eigenen künstlerischen Mitteln auf den jeweiligen Beitrag des anderen antwortete. Der Komponist ließ sich zu höchst fantasievollen Klaviersätzen inspirieren; sie besitzen, was nicht erstaunt, einen ausgeprägt räumlich-konstruktiven Charakter. Der ansprechend edierte Notendruck enthält neben den Abbildungen der bildnerischen Objekte auch anregende Reflexionen der beiden „Gesprächspartner“ über das Verhältnis von Musik und Bildender Kunst. (Edition Gravis, EG 1800:; eine CD-Aufnahme ist bei Telos, TLS 088, erschienen)

 

 

 

Dissonanz/Dissonance, #107 September 2009

 

Die zweite Neuerscheinung gilt Michael Denhoffs Klavierzyklus „Skulpturen“ (1996-2005). Der Zyklus besteht aus fünf „Skulpturen“, die auch einzeln gespielt werden können und die auf Bronze-Skulpturen des Bildhauers Wolfgang Ueberhorst reagieren. Über zehn Jahre dauerte das interdisziplinäre "Gespräch" zwischen Bildhauer und Komponist, wobei die jeweilige Reaktion stets allein vom Gesehenen bzw. Gebörten ausging, ohne dass sich die beiden Künstler über gedanktiche Hintergründe ausgetauscht hätten – ein interdisziplinäres Experiment ohne Crossover-Gejubel. Notgedrungen fehlt dieser CD die eine Hälfte des Gesprächs (Abbildungen im Booklet bringen etwas Aufklärung), aufhorchen lässt aber auch schlicht die Musik, Denhoffs ausladende und doch sehr reduzierte Gesten, die körperlich wirkende Harmonik, die stehenden Grundklänge, welche halb-imaginäre Eigenklänge der Bronze-Skulpturen zu umkreisen scheinen, die frappierend räumliche Organisation der Zeit, die fast objekthaft in den Raum gestellten Klänge oder die ostasiatisch angehauchte Atmosphäre. Das Klavier setzt er primär auf konventionelle Art ein, nur behutsam erweitern Präparierungen, Flageoletts, das Summen des Pianisten, tibetanische Klangschalen oder ein Buckelgang die Spektren. Tchiba scheint sich in der auratisch aufgeladenen Materialität dieser Musik wunderbar wohl zu fühlen und findet zu einer faszinierend plastischen und durchaus bekenntnishaften Intensität.

 

Tobias Rothfahl

 

 

Die Zeit, Nr. 51, 11. Dezember 2008

 

ZEIT-Mitarbeiter empfehlen CDs, DVDs und Musikbücher

Rubrik: Die auf ein neues Talent aufmerksam machen

 

Michael Denhoff: Skulpturen op. 76

Martin Tchiba, Klavier (Telos TLS 088)

Die pianistische Herausforderung heute lautet: Farbenreichtum im Einzelton zaubern! Der junge Martin Tchiba kann das.

 

Frank Hilberg

 

 

WDR Studio Neue Musik „Kollateral“ / 30. 11. 2008

 

Wenn es eine besondere Herausforderung für Gegenwartskomponisten gibt, dann ist es: Klaviermusik zu schreiben. Das Instrument hat sich seit knapp hundert Jahren im Prinzip nicht mehr geändert, aber die Pianisten und Komponisten haben seitdem aus ihm herauszuholen versucht, was in ihm steckt. Nach dem Wegfall der Tabus bezüglich Dissonanzen, Klangballungen, Registersprünge, dynamische Schroffheiten und nach einer beispiellosen Welle an Präparations- und Modifikationsversuchen ist dann in den letzten 30 Jahren nicht mehr sehr viel Klaviermusik geschrieben worden. Erst neuerdings scheint das Repertoire wieder anzuschwellen. Aber nun unter neuen Gesichtspunkten.

Michael Denhoff „Skulpturen“, gespielt von dem 1982 in Budapest geborenen und in Deutschland aufgewachsenen Pianisten Martin Tchiba. Es scheint Denhoff nicht mehr auf den Ton als Ton anzukommen, sondern auf die Klangwechsel, die der Pianist durch dynamische Abstufungen und Pedalisierung mit ihm erzeugen kann. Gelegentlich kommen noch Färbungen durch Klangadditionen hinzu, durch Fingerflageoletts, durch den summenden Pianisten oder durch einen Buckelgong.

Denhoffs Zyklus von fünf Stücken entstand zwischen 1996 und 2007. Ihm liegt als Idee ein Dialog mit Skulpturen von Wolfgang Ueberhorst zugrunde. Sie funktioniert so: Denhoff schreibt ein Stück über eine Skulptur des Bildhauers, Ueberhorst hörte es sich an und schafft dann eine Skulptur, die auf die Musik reagiert, auf die dann Denhoff wieder eine klingende Antwort findet. Usw. Ein Prozess, für den beide sich viel Zeit ließen.

Die Idee einer Musik als immaterieller Klangskulptur scheint dem Pianisten Martin Tchiba problemlos eingeleuchtet zu haben, denn es ist sehr deutlich zu spüren, dass er die oft von Stille und Verklingen durchbrochene Arbeit Denhoffs sehr plastisch auffasst. Zudem lässt seine Gestaltung spüren, dass er schon jahrelangen Umgang mit den Stücken hat, dass er den Zyklus oft gespielt und viel mit dem Komponisten konferiert hat.

 

Frank Hilberg

 

 

Rondo-Plus 5/08

 

Bei Saariaho sind optische Eindrücke die Inspira­tion zu vielen Kompositionen, bei ihrem Kollegen Michael Denhoff zumindest zu dieser einen: Der 2005 nach knapp einem Jahrzehnt abgeschlos­sene Klavierzyklus »Skulpturen« entstand sogar im fortgesetzten Dialog zwischen Auge und Ohr. Nachdem Denhoff eine erste Arbeit des befreun­deten Bildhauers Wolfgang Ueberhorst in eine Klanggestalt übertragen hatte, übersetzte Ueberhorst diese in eine neue Skulptur, die wiederum Ausgangspunkt für ein neues Klavierstück wurde. Die Gesamteinspielung des gut einstündigen Zyklus durch Martin Tchiba muss nolens volens mit dem Manko leben, dass hier gewissermaßen nur ein Teil des Gesprächs produziert ist – ein Manko, das allerdings zum ei­nen im Booklet durch Fotos von Ueberhorsts Arbeiten kompensiert wird, zum anderen auch dadurch, dass die in sich weitgehend homogenen Kla­vierstücke den Anspruch erheben, auch für sich allein als Klangskulpturen erfahrbar zu sein. Denhoffs Musik bedenkt und ermisst ihren jeweiligen Gegenstand ohne Hast, sie wiederholt, umkreist und vertieft ihre Eindrü­cke und versucht, sich dabei selbst wie ein Objekt im Raum aufzuspannen.

 

Raoul Mörchen

 

 

Neue Zeitschrift für Musik, Ausgabe September/Oktober 2008

 

„Dieser Gedankenaustausch ist als ein Gespräch angelegt; das impliziert bereits, dass beide Künstler ihre jeweilige Disziplin als Sprache auffassen wollen. Anstelle des häufigen zeitgenössischen Crossover-Esperantos findet das Gespräch zwar in zwei verschiedenen Sprachen, aber auf einer thematischen Ebene stand“, bemerkt der Bildhauer Wolfgang Ueberhorst über seinen «interdisziplinären» Dialog mit dem Komponisten Michael Denhoff. Sechs Skulpturen stehen fünf in einem Zeitraum von zehn Jahren (1996-2005) entstandenen Klavierstücken gegenüber, die sich ihrerseits zum Zyklus Skulpturen op. 76 formieren. Den Ausgangspunkt bildete Ueberhorsts Bronzeskulptur Schlafende Muse, auf die Denhoff mit einem Klavierstück reagierte, das seinerseits zur „Vorlage“ für eine weitere Skulptur geriet usw. - wobei verabredet war, Titel oder Untertitel (zunächst) zu verschweigen, um die Wahrnehmung und mithin die schöpferische Antwort nicht einzuengen und in bestimmte Richtungen zu lenken. Dennoch, so Denhoff, „sind wir durch die besondere Art des Reagierens auf formale und gestalterische Phänomene gestoßen, auf die wir wohl sonst nicht gekommen wären“.

Tatsächlich schuf er mit seinen Skulpturen einen in seiner auratischen Intensität außergewöhnlichen Klavierzyklus. Und der 1982 in Budapest geborene Pianist Martin Tchiba erweist sich als technisch versierter und einfühlsamer Pianist, der den spezifischen Anforderungen der einzelnen Skulpturen – jeder liegt eine eigene Materialkonfiguration zugrunde – und ihren mannigfaltigen Beziehungen untereinander allenthalben gerecht wird: vom meditativen Beginn über punktuell expressive Ausbrüche und stärkerer Präsenz gestischer Elemente bis zur Fokussierung eines (geistigen) Zustands der Entmaterialisierung, in dem, wie Denhoff es ausdrückt, die „magische Schwere des Materials mit verrätseltem Nach- und Mitschwingen eines verborgenen Grundklangs" verbunden ist.

Zwar geht auf CD der unmittelbare Eindruck körperlich-haptischer Momente verloren, die den Interpreten selbst zur beweglichen Skulptur im Raum werden lassen. Doch die Dichte der Interpretation lädt ein, das geistige Auge beim Hörerlebnis dahingehend zu aktivieren. Nun läge es nahe, solcherart auch Ueberhorsts Skulpturen gleichsam abzutasten, die Musik spricht aber ohne Einbußen für sich selbst. Dass die bildhauerischen Werke im Booklet abgebildet sind und neben erläuternden Kommentaren von Komponist und Interpret auch der Bildende Künstler darin zu Wort kommt, macht gleichwohl Sinn und rundet das Erscheinungsbild dieser gelungenen Produktion ab.

 

Egbert Hiller

 

 

FonoForum, Ausgabe Oktober 2008

 

Sinnlich

In wechselseitiger Inspiration vollendeten der Bildhauer Wolfgang Ueberhorst und der Komponist Michael Denhoff von 1995 bis 2007 sechs Bronze-Skulpturen sowie fünf musikalische „Skulpturen“. Die in ihrem Tonmaterial sehr reduziert gehaltenen Klavierstücke weisen Bezüge zur ostasiatischen Musik auf und verlangen neben traditionellem Klavierspiel auch avantgardistische Spieltechniken: Flageolett-Töne, vokales Summen, Klangschalen- und Buckelgongspiel. Der 1982 in Budapest geborene Martin Tchiba weiß diese Stücke sehr klangsinnlich und mit beachtlicher Präzision zu deuten. Sehr präsenter Klavierklang, allerdings mit einer Tendenz zur synthetischen Kühle.

 

mfv

 

 

Köln-Bonner-Musikkalender, Nr. 230 September 2008

 

Oftmals haben sich Musiker von Literatur oder bildender Kunst zu Eigenem anregen lassen. Im Falle des Klavierzyklus "Skulpturen" des Bonner Komponisten Michael Denhoff handelt es sich aber zweifellos um eine tiefer lotende Angelegenheit, und zwar um ein gegenseitiges Geben und Nehmen zwischen dem Musiker und dem Bildhauer Wolfgang Ueberhorst, dessen "Schlafende Muse" Denhoff zu seinem 1996 geschriebenen Stück "Skulptur" anregte, das wiederum Ueberhorst mit einer neuen Arbeit "beantwortete", und so ging es weiter, bis neun Jahre später Denhoff das fünfte Stück seines Zyklus komponiert hatte und der Bildhauer noch ein letztes mal daraufhin eine neue Skulptur schuf. So sind insgesamt fünf Musikstücke und sechs Werke bildender Kunst entstanden, die miteinander in engstem "interdisziplinären Dialog" stehen, wie es Denhoff im Untertitel seines Opus 76 nennt, das jetzt in einer sehr geschmackvollen CD-Edition bei "telos music" erschienen ist. Gespielt wird der Zyklus von dem jungen Pianisten Martin Tchiba, der sich im Verlauf der letzten Jahre intensiv in die spezielle Klangwelt des Komponisten eingelebt hat. Dies erscheint insbesondere darum notwendig, weil Denhoffs Musik zumal in den letzten Jahren eine stark meditative Komponente zu eigen geworden ist, die man sozusagen erfühlen, erleben muss, und die sich nicht ohne Weiteres aus den puren Noten ablesen lässt. Auch vom Hörer verlangt diese Musik ein intensives Bemühen um feine und feinste Klangvaleurs: Es gibt viele Pausen und lang verhallende Klänge im pianissimo, die überhaupt wahr zu nehmen vor allem Stille der Umgebung voraus setzen, ebenso wie man Ueberhorsts Skulpturen ja auch nur in einer von anderen Gegenständen freien Umgebung erfassen und genießen kann. Es ist Musik entschieden gegen den Trend unserer Zeit zu Oberflächlichkeit und dem "Nebenher"-Konsum von Kunst gleichsam parallel zum Alltag: Man muss sich konzentrieren können und wollen. Aber wem dies gelingt, erfährt hier Viel und viel Neues über die Möglichkeiten, Klänge sozusagen "körperhaft" zu gestalten, wie es hier intendiert wird. Entsprechend möchte man sich dazu Hologramme der Skulpturen wünschen, die man im Beiheft zwar in guten Foto-Reproduktionen zu sehen bekommt, deren "Körperlichkeit" man aber doch nur erahnen kann. Alles in allem zeigen die "Skulpturen" einen denkbaren Weg auf, die heutige Kunst aus der unverschuldeten Sackgasse zu führen, in die sie im Laufe der vergangenen Jahrzehnte geraten ist.

 

Gunter Duvenbeck

 

 

Bonner Generalanzeiger, Ausgabe 2. 8. 2008

 

"Skulpturen" für Klavier ist das Ergebnis eines künstlerischen Dialogs

 

Für den ungewöhnlichen Titel "Skulpturen", den der Bonner Komponist Michael Denhoff seinem jetzt auf CD erschienenen Klavierzyklus verliehen hat, gibt es eine einfache Erklärung.

Die fünf Stücke sind Ergebnis eines künstlerischen Dialogs, den der Musiker mit dem in Bad Godesberg geborenen Bildhauer Wolfgang Ueberhorst geführt hat: Die erste Skulptur inspirierte Denhoff zu seinem ersten Stück, das wiederum Ueberhorst zu seiner zweiten Skulptur anregte. Das 1996 begonnene "Gespräch" fand erst 2007 seinen Abschluss.
Nun hat sich der junge Pianist Martin Tchiba der Klavierwerke angenommen, deren ungewöhnliche, zum Teil neuartige Spieltechniken voraussetzende Klangstrukturen er mit großer Sensibilität nachformt. Gefordert wird dabei freilich auch eine immense technische Könnerschaft, die Tchiba souverän zum Einsatz bringt.

Bernhard Hartmann

  


 

Seven – Septette des 20. Jahrhunderts

Susanne Kessel, Klavier – Pro Nova Ensemble der Duisburger Philharmoniker

Ltg.: Michael Denhoff

Confido SACD 270604

 

 

Klangbeispiel: Igitur – Lesart für Kammerensemble op. 85 (Ausschnitt)

 

 

Rheinische Post, Ausgabe 27. 2. 2008

 

Das Konzert „Seven“ vom 27. Juni 2004 ist nun ganz frisch auf CD erschienen (confido, Best.-Nr. 270604). Genauer gesagt auf SACD (Super Audio CD) und zusätzlich in Multi-Channel-Surround-Technik. Mit einem entsprechenden Abspielgerät kann man eine jeweils weitaus größere räumliche Tiefe hören, man fühlt sich geradezu in das Opernfoyer versetzt. Das gilt besonders bei den Stücken, bei denen die Musiker des Pro Nova Ensemble der Duisburger Philharmoniker im Raum verteilt waren, nämlich bei dem späten „Seven“ von John Cage und „Igitur“ von dem 1955 geborenen Michael Denhoff.

Aber auch bei der ganz „normalen“ Anordnung vorne, nämlich im „Septett“ von Igor Strawinsky, „The Viola in My Life II“ von Morton Feldman (Solist: Mathias Feger) und dem skurrilen Concertino von Leos Janáček mit der Ausnahme-Pianistin Susanne Kessel.

 

Ingo Hoddick

  


 

Michael Denhoff – „Sounds and Shadows“

…al niente… op. 95, Nachtschattengewächse op. 96, Sounds and Shadows op. 86

Susanne Kessel, Klavier (Selçuk Sahinoglu, Fern-Klarinette)

Confido CD 270405

 

 

Klangbeispiel: Nachtschattengewächse op. 96, Nr. 2 (…sieh, das Licht!)

 

 

La Folia - Online Music Review, April 2006

 

German pianist Susanne Kessel is one of European new music’s greatest friends and this new release is another demonstration of her ability to perform with charm, grace and virtuosity. Michael Denhoff (b. 1955), a resident of Bonn, occupies a unique position in German music. His influences come not so much from Lachenmann or Stockhausen as from Feldman, Kurtág and Nono, with touches of the post-expressionism of his German predecessors Boris Blacher or Bernd Alois Zimmermann. The core duality of his music lies almost always between light and shadow, introvert and extrovert, rendering each piece familiar yet unpredictable.

The opening work, … al niente …, Op. 95 (2002), builds from a Feldmanesque motif which appears and disappears regularly, in whole or in part, later in alternation with a more restive theme. In its 23 minutes, it presents a vast spectrum of piano polarities, from the instrument’s high haze to its lowest growl, each shift in temperament separated by shoals of silence. Next is the nine-movement set of miniatures called Nachtschattengewächse, Op. 96 (2001/04). Each subtitled movement centers on themes of night, growth, mystery and light. This does not imply that the piece offers a unified front. Indeed, its nine movements, ranging from 0:24 to 2:44, hold more surprises than reprises. The last work is the most introspective and the CD’s namesake, Sounds and Shadows, Op. 86b (1999). Its 33 minutes are mostly subdued, its inward glances seeming more personal and elusive than those of the opening piece. In the work’s second half, almost imperceptibly, a distant, on-and-off-again clarinet reflects on Kessel’s monologue. The closing passages are relegated solely to the clarinet, an autumnal foghorn from afar. The music’s duration bespeaks an intense level of engagement, the now plaintive, now anxious textures aptly summing Denhoff’s aesthetic. Thanks in good part to an excellent recording, Kessel sparkles throughout these rich soundscapes.

 

Dan Albertson

 

 

Neue Zeitschrift für Musik, Ausgabe März/April 2006

 

„Wie klingt ein Loch in der Musik?“ Die Antwort auf diese Frage versucht Michael Denhoff in seinem Klavierstück … al niente … zu geben. Sieben unscheinbare Materialien liegen ihm zugrunde: floskelhafte Motive oder reine Akkordfolgen, die sich verkürzend und schließlich verschwindend wiederholen. Durch das Abziehen von Tönen und verschwebende Resonanzen entsteht zusätzlich der Eindruck, die Klänge versänken im Nichts. Mit äußerster Feinfühligkeit weiß die Pianistin Susanne Kessel diesen Prozeß der Auflösung von Gestalten in ihrer CD-Einspielung zu realisieren.

Nicht weniger sensibel interpretiert sie Denhoffs Nachtschattengewächse, neun Kompositionen von aphoristischer Kürze, mit deren Titeln der Komponist ganz unverhohlen dem romantischen Charakterstück Reverenz erweist, auch wenn seine Traumeswirren und sein Warum? musikalisch anderen Pfaden folgen als Schumanns gleichnamige Fantasiestücke.

Übers Klavier hinaus drängen die Sounds and Shadows, die sich aus den Klängen reiner und denaturierter Quinten entfalten. Mit großer Ruhe und langem Atem läßt Susanne Kessel die Töne auseinander hervorwachsen, und wo der Spielraum des Tasteninstruments zu eng für Denhoffs Visionen wird, da schallt der Sehnsuchtston einer Fernklarinette hinein.

 

Gerhard Dietel

 

 

Fermate – Rheinisches Musikmagazin, Januar 2006

 

Bonner Doppelpack

Die Bonner Pianistin Susanne Kessel (ein Standbein im Klassischen, das Spielbein in der Moderne und im Experimentellen) interpretiert Werke des Bonner Komponisten Michael Denhoff: Aus zwei im Abstand von fünf Jahren entstandenen Produktionen mit verschiedener Tontechnik entstand nun eine über 70minütige CD, die auf der einen Seite audiophile Ansprüche erfüllt, auf der anderen Seite sehr anspruchsvoll zu hören ist: Die extreme Dynamik - leises Nichts kontrastiert mit hammerhartem Vielfachforte erfordert ebenso wie die ungewöhnliche Behandlung des sehr guten, im Booklet nicht namhaft gemachten Flügels den ganzen Hörer. Spannend und einfallsreich ist in den der CD den Namen gebenden ältesten Komposition dieses Tonträgers, "Sounds and Shadows" (1999) die Weiterführung des Klavierklangs durch eine Fern-Klarinette, gespielt von Selçuk Sahinoglu.

 

Christoph Dohr

 

 

Köln-Bonner-Musikkalender, Dezember 2005

 

Musik der Gegenwart wird - um Wilhelm Busch abzuwandeln - "als schwierig oft empfunden, da sie mit Geräusch verbunden". Hört man jedoch Susanne Kessel mit ihrer Darstellung von Klaviermusik des Bonner Komponisten Michael Denhoff, so wird derlei eindeutig Lügen gestraft. Zumal der Zyklus „…al niente...“ mit sich nach und nach immer stärker in den Vordergrund drängenden Pausen arbeitet; die Musik löst sich endlich in Nichts auf. Für den aufmerksamen Hörer wird das ein spannender Prozess, an dem die konzentrierte Darstellung seitens der Pianistin großen Anteil hat. Ebenso in den beiden anderen Werken dieser CD, deren Titel „Nachtschattengewächse“ und „Sounds and shadows“ ähnliche Befindlichkeiten evozieren; in letzterem läßt Denhoff stellenweise eine Fern-Klarinette hineintönen, wodurch die 'Räumlichkeit` dieser Musik noch weiter gesteigert wird. Das alles ist gewiß nichts zum "Nebenbei-Hören", sondern verlangt Aufmerksamkeit, doch kann der sich dieser Klangwelt anvertrauende Hörer von der subtilen Art, wie Komponist und Interpretin damit umgehen, faszinieren und verzaubern lassen, so wie man sich etwa in orientalischen Häusern dem Zauber des Fremden hingibt. Nicht von ungefähr rührt solche Assoziation von den Quintklängen her, die „Sounds and shadows“ ausschließlich beherrschen und der Musik eine bestimmte Art von "Archaik“ verleihen, wie man sie etwa auch beim Besuch antiker Ruinenstädte verspürt. Der mit einigem Nachhall versehene, aber volle Klang unterstützt solch „verzaubernde“ Wirkung einer Musik, mit der sich ihr Schöpfer noch eigenem Bekunden Franz Schubert einerseits und Morton Feldman andererseits nähern möchte, und dies vor allem auf der Ebene einer Negation von Zeit im realistischen Sinne. Vielleicht eröffnet sich in solcher Musik gar ein künstlerischer Ausweg aus jenen unser modernes Leben beherrschenden chronometrisch bestimmten Zwängen, die den Menschen immer mehr zur reinen Funktionalität im Rahmen eines sekundengenau durchstrukturierten Systems zu erniedrigen drohen.

 

Gunter Duvenbeck

 


 

Michael Denhoff

Hauptweg und Nebenwege – Aufzeichnungen op. 83

Vogler-Quartett und Birgitta Wollenweber, Klavier

col legno WWW 2CD 20029

 

 

 

Klangbeispiel: Teil V, Abschnitt 21 - 22

 

 

Neue Zeitschrift für Musik, Ausgabe September/Oktober 2005

 

Diese Musik hat Zeit, jede Zeit der Welt; beim Hören kann man ebenso in Trance verfallen wie bei ihrer Interpretation. „Es entstand eine besondere Atmosphäre, gleichsam meditativ und dicht.“ So erinnert sich Tim Vogler, Primarius des Vogler Quartetts an die Aufnahmesitzungen, in denen es darum ging, zusammen mit der Pianistin Birgitta Wollenweber die Haupt- und Nebenwege von Michael Denhoff auf CD einzuspielen. Inspiriert von Paul Klees gleichnamigem Bild macht sich Denhoffs Komposition daran, einen ganzen Jahreslauf zu durchschreiten, in kurzen tagebuchartigen Momenten, die sich durch Zentraltöne gebunden zu Monatszyklen und schließlich zum Jahreslauf runden.

In gut zweieinhalb Stunden wird dieser Jahreslauf durchschritten, wobei sich die vorwiegend ruhige Musik gelegentlich durch die Hinzunahme von Schlaginstrumenten, deklamierte Textfragmente und räumliches Wandern des Klangs ins Szenische weitet. Damit nicht genug ist die Partitur noch mit einem (zunächst nur den Interpreten sichtbaren) Netz aus Textzitaten durchzogen, die von Hölderlin bis Beckett, von Mallarmé bis Pessoa reichen, und die der Komponist, den Kreis der Einzelkünste schließend, bei der Uraufführung des Werkes beim Bonner Beethovenfest 2000 zu Textbildern verdichtete.

 

Gerhard Dietel

 

 

FonoForum, Ausgabe September 2005

 

Musikalisches Tagebuch

Beinahe unmerklich leise pirscht sich die Musik aus der Stille ans Ohr heran: mit dem zarten Sirren der Violinen und ein paar äußerst vorsichtigen, wie mit Samtpfoten getupften Klaviertönen. Erst allmählich entstehen hier und da kurze Gesten von zerbrechlicher Expressivität, um jedoch bald wieder in die häufig nur ein- bis zweistimmige Wortkargheit des Anfangs auszudünnen.

Auch wenn im weiteren Verlauf der zwölf Sätze von Michael Denhoffs (geb. 1955) zweieinhalbstündiger Komposition "Hauptweg und Nebenwege" immer wieder erregt aufzitternde, rasch vorüberhuschende und gegen Ende sogar quasi szenische Momente sich einstellen, so bleibt das Stück doch insgesamt einem eher sparsam formulierenden Sprachstil verpflichtet - und erweist sich darin mitunter als entfernter Nachfahre von Luigi Nonos Quartett "Fragmente - Stille. An Diotima", mit dem es auch die vielfältigen les- aber nicht hörbaren literarischen Vernetzungen in der Partitur teilt.

Trotz dieser klangsprachlichen und gedanklichen Verwandtschaften handelt es sich um ein absolut eigenständiges Werk mit einer höchst bemerkenswerten formalen Konzeption. Denn Denhoff hat das Stück als eine Art musikalisches Tagebuch angelegt (Untertitel: "Aufzeichnungen für Streichquartett und Klavier"), in dem alle Monate des Jahres 1998 durch einen zentralen Ton charakterisiert sind und jeder Tag als kammermusikalische Miniatur in das große Ganze eingewoben ist.

Das eindrucksvolle (wenngleich sehr konzentrationsintensive) Gesamtresultat wirkt hier nicht zuletzt auch deswegen so überzeugend, weil sich das exzellente Vogler-Quartett mit einer fast meditativen Ruhe in die Musik zu versenken vermag - und so ihre anrührende, introvertiert-fragile Schönheit zu Tage fördert.

 

Marcus Stäbler

 

 

torben-maiwald.de , August 2005 

 

Bewegte Ruhe

Erlebnisse an Michael Denhoffs Klavierquintett Hauptweg und Nebenwege

 

Ein glasklares e2 ist der Eintritt in eine Welt der Stille, der Suche und des Lichts. Alle anderen die Zwölf vervollständigenden Töne, sorgsam instrumentiert, errichten sogleich ein zart-mächtiges Gebäude, grenzen es klar ab und verraten doch bereits, wie durchlässig diese Hülle in den nächsten drei Stunden sein wird. Mit der Zwölfzahl der Töne, welche die bevorstehenden Wegstationen anklingen lassen, ist zugleich auf ein Kosmisches hingedeutet, etwas Umfassendes, über die Systematik der äußerlichen Zwölfteilung hinaus. Es spricht jemand, der mit Wille und Energie das Licht sucht, obwohl es schon da ist, aber es will stets neu errungen werden. Einige Augenblicke genügen da nicht, man muss sich mühe-, aber auch freudevoll auf einen langen Weg machen. Michael Denhoff nimmt uns in seinem Hauptweg und Nebenwege auf diesen Weg mit.

Wir haben Zeit, viel Zeit, doch keine Zeit zum Müßiggang. Wer viel Zeit mit requiem aeternam gleichsetzt, wird am Wesentlichen vorbei gehen. Und wesentlich ist hier alles, was klingt aus den Instrumenten, aus der durch innerlich zu lesenden Textzitate bereicherten Partitur und den Seelen der Hörer im Widerhall. Bewegte Ruhe – ruhige Bewegung.

Mir war beim Hören so, als ob diese Musik schon in der nachtodlichen Sphäre klingen würde. Musikalische Erinnerungen richten sich zwar auf Irdisches, aber von einem höheren Standpunkt aus gesehen. Von diesem aus scheinen sie bereits „gereinigt“ und können sich dem ruhigen Hör-Blick darbieten. Dies schließt hartes Aufbegehren, Verzweiflung nicht aus, denn beschönigt wird in dieser Sphäre nichts. Nur ist der Musik immer der überlegene Abstand, das kontemplative Betrachten des Geschehenen anzumerken.

Das, was „passiert“, ist selten spektakulär im äußeren Sinne. Weil Feinheiten menschlicher Seelenregungen nur leise mitteilbar sind, bewegt sich diese Musik denn auch zumeist im untersten dynamischen Bereich. Worauf jedoch gedeutet wird, das ist eigentlich „laut“ – es will erhört sein. Aber Denhoff rechnet mit der Mündigkeit seiner Hörer und lässt sie frei, ihre eigenen Haupt- und Nebenwege durch den Klang hindurch zu suchen; keine „Botschaft“ wird eingehämmert, kein Ergebnis wird „gewollt“, man hört den Komponisten, welch eine Wohltat, nicht schwitzen.

Dieses einzigartige Werk wird wohl nie ein Kaiserwalzer oder eine Für Elise werden. Dafür ist es zu zerbrechlich. Es ist für dasjenige Ohr bestimmt, welches auch schauen kann. Der Hörer von Hauptweg und Nebenwege möge diese besondere Art von Ohr haben.

 

Torben Maiwald

 

 

Ensemble, August-September / 2005

 

Jahresplan - Die einen halten auf ihrem Kalender Termine und vielleicht vergangene Ereignisse fest. Michael Denhoff notierte hingegen Tag für Tag und ein ganzes Jahr lang seine musikalischen Gedanken. 365 "Einheiten", wie Denhoff sie im Booklet nennt - verteilt auf 12 große Sätze, die den Monaten entsprechen. So planerisch sich das zunächst liest, so verschwimmen doch schnell Alltagskonturen in einer Klang-Welt, durch die Denhoff ein Streichquartett und eine Pianistin zumeist tastend schickt. Minimalistisch, oft in den unteren Dynamik-Bereichen. Mit zerbrechlichen Gesten, dezent aufflackernden Schüben, bis ins Traumversunkene hinein. Dem nach dem gleichnamigen Bild Paul Klees entstandenen Komplex "Hauptweg und Nebenwege" (1998) hat zwar Denhoff noch literarische Zitate in die Partitur geschrieben, von Beckett, Celan und Bachmann. Doch diese sind wie in Nonos Streichquartett vielleicht als Wegmarkierungen für die Interpreten zu verstehen. Aus der kontemplativen Ruhe haben sich jedenfalls das Vogler Quartett und die Pianistin Birgitta Wollenweber nicht bringen lassen. Mit reicher Dosierungskunst messen sie diese Prozession der Farbmetamorphosen ab. Morton Feldmans Glückwunsch wäre Michael Denhoff sicher gewesen.

 

Guido Fischer

 

 

Klassik.com , Juli 2005

 

Magnum opus

Seltsam fremd steht ,Hauptweg und Nebenwege’ in unseren Tagen, gleichsam ein Werk, das den Rhythmus eines anderen Ortes, einer anderen Zeit atmet. Da ist zum einen die Ausdehnung, fast 160 Minuten, ungewohnt, ein Verlangen, Einhalt zu gebieten, eine Forderung, sich Zeit zu nehmen und sich einzulassen. Zum anderen der Klang: keine komplexen Rhythmen, kein eigenes harmonisches System, keine Klangflächen, keine Arbeit mit Klangfarben, kein Entdecken der Stille. Dass es ohne Besonderes ist, ist nicht das Besondere des Stückes, es hat etwas anderes Besonderes, das gerade aufgrund der Abwesenheit des Besonderen zum Vorschein kommt.

Morton Feldman?

Viele Aspekte erinnern an Morton Feldman. Die Ordnung in kurzen Abschnitten, ,pattern’ heißen sie bei Feldman, die wieder kehren und verändert werden, bei Denhoff jedoch deutlicher und reicher als bei Feldman. Der Gestus ist oft fragil, die Klänge getupft. Kleine Miniaturen, die auch einen Gedanken an Anton Webern evozieren. Dann ein deutlicher Bezug in den Zitaten, die, für den Zuschauer unsichtbar, aber gedruckt im Booklet, in die Partitur geschrieben sind. Abschnitt II, 7: ,to and fro in shadow from inner to outer shadow’, Samuel Beckett, aus dem Libretto für Feldmans Oper ,Neither’. Und natürlich die Dauer, hier kann sich das Stück ohne weiteres mit den späten Werken Feldmans messen. Dennoch ist Denhoff kein Feldman-Epigone, hat er seinen eigenen Stil, der jedoch bisweilen frappierend den Geist der Zwanziger Jahre heraufbeschwört. Viele musikalische Zitate sind kaum noch erkennbar, Alban Berg, Franz Schubert, Bernd Alois Zimmermann, Gustav Mahler ...

Quintessenz

Viele Stücke Michael Denhoffs verweisen im Titel auf andere Künste. Aus der Dichtung werden genannt Beckett, Celan, Rimbaud, Verlaine, Mallarmé, aus der bildenden Kunst Dürer, Goya, Kandinsky, Klee und in der Musik sind es Mahler, Bartók, Bach, Berg, Händel usw. Zudem äußert sich Denhoff gern in der Art eines musikalischen Tagebuches. Das ,Klangtagebuch’ vereint 366 Klänge für ein Jahr, ,Hebdomadaire’ ist ein Klavierzyklus aus 52 Stücken, und die in zwölf Teile geteilten ,Hauptweg und Nebenwege’ enthalten für jeden Tag einen Abschnitt: Teil I hat 31 Abschnitte, Teil 2 hat 28 usw. Vorn auf dem Cover ist das namensgebende Bild Paul Klees abgebildet. Die farbigen Felder, die zusammengesetzt die Wege bilden, finden quasi ihre Entsprechung in den ,pattern’, die im Muster ihres Auftauchens nicht nur die Tage, sondern auch die größeren Teile markieren. ,Hauptweg und Nebenwege’ ist mit seiner Form, seinen Anspielungen und Zitaten eine Quintessenz aus Denhoffs Schaffen, sein ,magnum opus’. Man sollte sich die Zeit nehmen, das Stück ohne Pause zu hören. Es ändert den Rhythmus, eine Bußübung fast, eine Meditation.

 

Patrick Beck

 

 

Diverdi.com , Mai 2005

 

Camino principal y caminos secundarios (Hauptweg und Nebenwege), senderos sonoros que discurren por los variados y a menudo sombríos territorios emocionales. Estamos hablando de la extensa composición de Michael Denhoff inspirada en la hermosa tela de Paul Klee del mismo título; estamos hablando de una pieza para cuarteto de cuerda y piano que nos interroga a propósito de conceptos tales como identidad, diferencia, temporalidad. Parece todo bastante denso, desde luego. Y sin embargo no es nada difícil quedar hechizado durante días, perdido uno entre estas bifurcaciones, sendas y travesías sinuosas pero cargadas de significación, entre estos paisajes de apariencia fija y permanente aunque capaces de modificarse hasta lo irreconocible.
Se trata de una obra cincelada por el tiempo. Denhoff trabajó en ella cada día a lo largo de un año. Su estructura, entonces, no podría parecernos más diáfana: trescientas sesenta y cinco miniaturas, divididas en doce secciones, que ponen en juego el estado de ánimo, la atmósfera y el humor espiritual del momento, el instante fugitivo y el plan de conjunto, la espontaneidad y el programa establecido. Cada mes tiene su sonido principal, una especie de imaginario eje -sonoro y referencial- que articula la mostración y devenir de los motivos, conectados o imbricados entre sí de maneras muy sutiles y elusivas. Se diría que estamos ante una música descriptiva si no fuera porque apunta a lo indescriptible. De tanto en tanto se produce una levísima cita, como por ejemplo a los últimos cuartetos de Beethoven o al Tristán wagneriano, citas que se instalan a manera de insospechados anclajes en la tradición. El clima es por lo general introspectivo, íntimo, sólo quebrado ocasionalmente por algunas percusiones (la intervención de los tres gongs en la parte V) o voces, como en la parte X, con los músicos sirviéndose de instrumentos suplementarios y declamando algunos de los textos que también han influido en el proceso de creación de Hauptweg und Nebenwege: fragmentos de Paul Celan, Ingeborg Bachmann, Philippe Jaccottet, Ungaretti, Mallarmé o Valéry, entre otros, que configuran un tejido textual, casi siempre secreto y oculto, que de algún modo irriga estas formas musicales. Eventualmente las cuerdas registran alguna crispación y el piano acusa cierto nerviosismo, pero las dinámicas resultan en general reflexivas y calmadas: una tensa calma, eso sí, anunciadora de corrientes subterráneas, de caminos secundarios, que podrían desembocar en cualquier momento en alguna violencia...
El Vogler Quartett y la pianista Birgitta Wollenweber mantienen aquí, si no un idilio (idilio imposible, teniendo en cuenta las exigencias de la pieza), sí, sin duda, una sugestiva y estrecha relación basada en asperezas, sobreentendidos, reproches y eventuales reconciliaciones.

 

Norberto Tauste

 

 

Abeillemusique.com , Mai 2005

 

Petit exercice stylistique et architectural. Du premier janvier au 31 décembre d’une année donnée, écrivez chaque jour une notation musicale qui devra, en fin de compte, composer un tout cohérent fait de 365 cellules. En douze parties, chacune représentant naturellement un mois, l’ouvrage se développe parfois insensiblement, parfois brutalement, autour de quelques grands axes tonaux (les 12 notes de la gamme, également les chemins principaux du titre) mais aussi de digressions mélodiques et architecturales : les chemins secondaires, selon la traduction du livret, mais on peut aussi y lire “chemins de traverse”. Ainsi, ces Aufzeichnungen (traduit dans le livret par "Enregistrements" au lieu de Notations) empruntent un chemin fascinant dont on finit vite par s’apercevoir qu’il est, en réalité, le but justement recherché.

Elève de Henze, Michael Denhoff (également violoncelliste et chambriste) nous donne à entendre de la Musique d'une beauté à l'état pur.

 

 

Records International Catalogue, April 2005

 

This expansive (nearly 160 minutes) chamber work for the customary piano quintet ensemble is named after its inspiration, a painting by Klee which is reproduced on the cover, allowing one to relate its shimmering textures and sense of vast distance and depth to their musical analogues in the piece. The huge span of the work and its predominantly spare, sparse textures suggest Feldman, but its building blocks are harmonically richer (sometimes surprisingly tonal) than is often the case with Feldman, suggesting rather a Second-Viennese-derived expressionistic Romanticism. Each of the twelve movements has a distinct character and the impression of the work as a whole is of a journey through enigmatic and shadowy interior landscape, often dreamlike and unsettling.

 

 

 


 

Michael Denhoff  - „Credo“

In unum Deum op. 93, Aus tiefer Not op. 41, Credo op. 93a

Irene Kurka, Sopran – Alban Lenzen, Bariton

Chor der KHK St. Gregorius Aachen, Orchester der Kölner Kammermusiker

Ltg.: Steffen Schreyer

Johannes Trümpler, Orgel

Cybele SACD 860.301

 

 

Klangbeispiel: Nr. 6 Et incarnatus est

 

 

www.amazon.de  – Kundenrezension (22. Mai 2010)

 

Glauben und Zweifeln

 

I. Michael Denhoff ist für mich eine überraschende, bereichernde Entdeckung. Nicht, dass er mir vormals unbekannt war, zwei Klavierzyklen und ein Orchesterwerk hatten mir jedoch nicht vermitteln können, welch ein edler Mensch er zu sein scheint (dieser Eindruck entsteht durch persönlich vorgetragene Werkeinführungen, Video-Interviews, Texte, etliche Haikus und Dreizeiler), ein nahbarer Zeitgenosse ohne Künstlerinszenierung, vielleicht sogar ein stupender Erfinder von tief empfundenen Kammermusiken, die so viel in sich bergen, dass man sich für Monate darin einwickeln kann – kurz: Ich will mich ihm nähern bzw. seinem Werk, seine Entwürfe lösen mehr in mir aus als alle anderen deutschsprachigen Tonsetzer in seiner Altersgruppe es derzeit vermögen, Wolfgang Rihm ausgenommen. Dass ihn Bernd Alois Zimmermann und Bartok zur Musik gebracht haben, hört man seinen Stücken – soweit ich sie kennen lernen konnte – nicht an.

II. Das Samenkorn von “in unum deum – credo op. 93″ ist ein siebentöniges Motiv, doch man muss nichts über die Architektur dieser 35-minütigen Vertonung des Glaubensbekenntnisses wissen, um sich dort hinein zu begeben. “Es gibt Dinge, die lassen sich nicht besser mitteilen, als mit Klang. Wir können anfangen, diese Musik zu beschreiben, ihre Phänomene einzuordnen, aber letztendlich straucheln wir nur an der Oberfläche. Wir kommen dem letzten Geheimnis von Musik durch Sprache nicht auf die Spur”, erzählte er in einem Interview (2008), und tatsächlich wirkt das Werk für Sopran, Bariton, Chor, Orgel und Orchester vor allem unmittelbar, ist weder verkopft noch neotonal, komplex genug, um konservative Hörer heraus zu fordern und so vielschichtig, dass auch Neue-Musik-Liebhaber (jene, die nicht festgefahren sind und nicht alles für Kitsch halten, was nicht knarzt, sticht und haucht) etwas Wertvolles entdecken können. Er hat bewiesen, dass Musik für den Kirchenraum und unter Einbindung von Gemeindemitgliedern von einer Schönheit sein kann, die nichts mit blumiger Lieblichkeit (Musik als Nippes), gegelter Postmoderne (Zitatenschatzkiste) oder gar mit sakralem Bitterernst (mit Büßerhaltung) erkauft wird, den uns Penderecki seit über vierzig Jahren auftischt. Der achte und letzte Teil (“Et exspecto”) beschert mir immer noch – auch beim zwanzigsten Durchlauf – eine bittersüße Traurigkeit, die auch Erlösung ist, weniger im christlichen als im philosophischen, geistigen Sinne. Die gesprochenen Zitate aus Briefen und Texten von Celan, Pessoa, Marai und Mozart mögen ihren Teil dazu beitragen (“Niemand bespricht unseren Staub… nie-hie-mand…” – hier schon beginnt mein innerstes Zittern, meine Ergriffenheit, nach der ich suche und die ich bei Neuer Musik, vor allem jener mit ganz großem “N”, letztlich selten finde). Für ein paar Minuten glaube ich tatsächlich, dass “der Tod der wahre Endzweck unseres Lebens ist”, dass er eventuell, und wenn nicht für mich, dann für einen anderen “viel Beruhigendes und Tröstendes” haben könnte. Es ist eine Illusion, aber eine, die ich, während die Komposition noch andauert, annehmen kann.

III. Dabei ist dieses Werk stellenweise auch reichlich unspektakulär, sofern man nur Ausschnitte wahr nimmt. Sein Reichtum entfaltet sich erst, wenn man sich der Musik einfach von Anfang bis Ende überlässt, am besten im Channel Surround Sound, den meine bescheidene Anlage leider nicht wiederzugeben in der Lage ist. Dann würden die Stimmen der Gemeindemitglieder (zu Beginn und am Ende) besser hervor treten, so versinken sie eher im orchestralen Gewebe. Denhoff setzt zahlreiche Merkpunkte, die schon bei der ersten Begegnung klar hervor treten (z. B. die helle Percussion im zweiten Teil), erinnerbar sind, und er hat eine Komposition für Chor geschrieben, die fest verzahnt ist mit den Instrumenten, den beiden Solo-Stimmen und der selten vernehmbaren Orgel.

IV. Aus dem sehr informativen, vorbildlichen Booklet-Text von Joachim Herten: “Es fällt auf, wie gut in diesem Werk der lateinische Text des Credo über weite Strecken verständlich ist. Das liegt daran, dass die Chorpartien (…) diatonisch-tonal gehalten sind. Die Partien der Solisten, die sehr viel subjektiver und expressiver gestaltet sind, und die Texte, die in ihnen verarbeitet sind, sind heutiger, neuer und chromatisch reicher. (…) Es entwickelt sich beim Hörer Bestärkung im zweifelnden Glauben und im glaubenden Zweifel – wie Licht, dessen Leuchtkraft erst durch Schatten und Schwärze zum Strahlen gebracht wird.”

V. Denhoff schenkt uns auch ein Werk für Chor a capella, quasi die heraus gebrochenen Chorstücke der Vollbesetzung, versehen mit kleineren Erweiterungen. Diese Fassung (“credo op. 93a”) ist keinesfalls ein Abfallprodukt oder – freundlicher ausgedrückt – ein Baustein, den man behelfsmäßig in Ermangelung anderer Spieler zur Aufführung bringen kann. Es ist ein Werk mit eigenem Lebensrecht, unsentimentale, dramatische, doch immer aufs Wesentliche reduzierte, reine Musik, nur eine Viertelstunde lang. Zu bewältigen von ambitionierten Amateurchören. Dieses Stück sollte öfter einstudiert werden, auch wenn es nicht ganz die Bedeutung des Hauptwerkes hat. Das Stück für Orgel (“Aus tiefer Not”) mag ich nicht kommentieren, da ich mit diesem Instrument überhaupt keine Erfahrung habe. “Volumina” von Ligeti ist das einzige Werk für Orgel, das ich jemals vollständig gehört habe, mit wenig Genuss. Dass mir das Denhoffsche Stück nicht gefällt, tut somit nichts zur Sache.

VI. Bevor Sie eine Messe o. ä. von Volker David Kirchner kaufen/leihen/erleben: Denhoff hören. Bevor Sie eine Messe o. ä.. von den Herren von Schweinitz, Hufschmidt, ja sogar Rihm kaufen/leihen/erleben: Denhoff hören. Bevor Sie… Das geht so weiter. Davon ausgenommen – für den deutschsprachigen Raum – ist die “Dahlemer Messe” von Dieter Schnebel, die noch immer unerreicht ist aus meiner bescheidenen Perspektive. Und alle sakralen bzw. liturgischen Werke des 20. und 21. Jahrhunderts, die ich nicht kenne, aber unbedingt kennen sollte, und das sind vermutlich Dutzende. Bis dahin: Denhoff. Besuchen Sie unbedingt seine Homepage!

 

Riyad Salhi

 

 

Musik & Kirche, Ausgabe 3/2005:

Vertonter Glauben

Gibt es heute noch Kompositionen neuer Musik mit Anspruch, die finanziell machbar sind und dabei auch noch von einem guten Laienchor ausgeführt werden können, womöglich unter Beteiligung der Gemeinde? Wo gibt es Kompositionen, die kirchliche Tradition schätzen und zugleich zeitgenössische Fragestellungen zulassen? All das findet sich in einer neuen Vertonung des Nicaenums vereint, die der Bonner Komponist und Cellist Michael Denhoff als Auftragskomposition für den Gesprächskreis zu Fragen von Musik und Kirche (Würzburg/Rottenburg Stuttgart) geschrieben hat. Uraufgeführt wurde das Werk beim Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin (vgl. MuK 4/2003, S. 275).

Denhoff begreift das altkirchliche Bekenntnis, das in allen großen Kirchen der Welt im Gottesdienst gesprochen bzw. gesungen wird, als Hymnus der Gemeinde und folgt in seiner zwölfteiligen Komposition der Struktur des lateinischen Textes, der in acht Sätzen aufgenommen ist. Das lateinische Original, dem wie in Schuberts großen Messen das Bekenntnis zur Kirche und zur Taufe (,.Et in unam sanctam ..." fehlt, wird mit zahlreichen Aktualisierungen in deutscher Sprache konfrontiert. Dabei sind zum einen aktuelle Glaubensbekenntnisse aus dem Credo-Projekt der Zeitschrift Publik Forum eingeflossen, die gleich in der Ouvertüre von der versammelten Gemeinde gelesen werden sollen. Zum anderen wurde Lyrik von Rose Ausländer, Hilde Domin, Kurt Marti, Paul Celan u. a. sowie ein Bekenntnis Mozarts zwischen die lateinischen Chorsitze eingefügt. Ein besonders gelungenes Beispiel für eine solche Montage: Dem "Et resurrexit" steht Kurt Martis "Leeres Grab" gegenüber: ein grab greift / tiefer / als die gräber gruben denn ungeheuer / ist der vorsprung tod am tiefsten / greift das grab das selbst / den tod begrub denn ungeheuer / ist der vorsprung leben.

Die poetologisch musikalische Keimzelle des Werkes ist der erste Satz des Credo, der aus sieben Silben besteht: "Cre do in u num de um". Daraus ist eine Tonfolge von sieben Tönen entwickelt, die sich, wenn man den dritten und fünften Ton verdoppelt, in drei Dreiergruppen zusammenfügen, ein Hinweis, wie sich die drei Personen der Dreieinigkeit " die Hand reichen" (Booklet). Damit bildet Denhoff musikalisch die göttliche Dreiheit in der Einheit (Text) ab. Er ermöglicht so eine Geschlossenheit des musikalischen Materials, das zugleich eine große innere Ausdifferenzierung erlaubt. Die lateinischen Texte werden vom Chor vorgetragen, oft liegt dabei einfaches diatonisches Material zugrunde. Die Partien der beiden Solisten sind ungleich schwieriger, sie klingen deutlich dissonanter und sind chromatisch angereichert. Gleich zu Beginn, also im Kontext des ersten Glaubensartikels, überschreiten die Texte den Kanon des Innerchristlichen und nehmen auch Glaubensaussagen der großen abrahamitischen Weltreligionen auf (z. B. das Schema Israel aus 5 Moses 6 und das muslimische Glaubensbekenntnis "Ia ilaha illa- Ilah"). Die technisch akustische Qualität der CD und die musikalische Ausführung ist insgesamt sehr gut. Insgesamt eine CD, die auch beim zweiten und dritten Hören noch neue Entdeckungen erlaubt und Freude macht. Dazu trägt auch das aufwendig gestaltete, äußerst informative Booklet bei.

 

Jochen M. Arnold

 

 

Audiophile Audition, Web-magazine for music, June 2005:

 

The Nicene Creed, established in the 5th century CE, is a fundamental statement of Christian theology. It begins "I believe in one God, the Father Almighty, Maker of heaven and earth, and of all things visible and invisible."
In 2000, the Forum on Music and the Church commissioned composer Michael Denhoff to create a composition based on the Nicene Creed. The Forum wanted someone "who could express today’s difficulties and reservations in relation to the ancient concepts in musical language." Whether Denhoff has achieved this, I don’t know, as I find the Nicene Creed easy to understand, though I’m not particularly religious. But "In unum deum", opus 93, is an engaging work that held my interest over repeated hearings.
The recording makes good use of full surround sound. The piece begins with solo voices, representing the congregation, speaking the views of God and His relation to man, as expressed by ten philosophers and writers (though in performance they may be replaced by individual professions of faith). These appear around the listener, at varying directions and distances, as though you and they were present in a huge space, such as a cathedral. The singers gradually move to their "assigned" places, and in the following eleven passages they vocalize the sections of the creed with further philosophical and metaphysical ruminations.
Denhoff gave the Forum more than it requested by setting the Nicene Creed itself in an a cappella companion work, opus 93a. Denhoff’s style is difficult to describe. Pärt and Ligeti come to mind, but there are moments of Copland and Holst (probably coincidental). Traditional chant is mixed with repetitive instrumental themes.
If  modern sacred music appeals to you, you will almost certainly find this a rewarding album.
Recommended.


William Sommerwerck

 

 

FonoForum, Ausgabe April 2005:

 

Credo in Surround

Glaubensbekenntnisse zu vertonen ist seit Mitte des 20. Jahrhunderts ein wenig aus der Mode gekommen, wurde doch die Sphäre der Gebrauchsmusik, zu der ja auch die Kirchenmusik zählt, nicht selten als unmodern, traditionsbelastet und ästhetisch fragwürdig abgelehnt. So hat sich die Sakralmusik im vergangenen halben Jahrhundert mit ihren traditionellen Textvertonungen relativ unabhängig von der musikalischen Moderne entwickelt. Wenn der 1955 geborene Michael Denhoff nun den Versuch unternimmt, diese beiden Sphären unter einen Hut zu bringen, ist dies eine Herausforderung der besonderen Art. Denn einerseits darf er die Laien, für die diese Musik gedacht ist, nicht überfordern, andererseits jedoch die Ausdrucksmöglichkeiten eines zeitgenössischen Komponisten im eigenen Interesse nicht über Gebühr einschränken. Denhoff löst das Problem, indem er eine zumindest ansatzweise tonal fundierte Musik schreibt, in der die Arbeit mit dem Klang, auch dem Raumklang, deutlich im Vordergrund steht. So entsteht eine Musik, deren sakraler Charakter auch dann gewahrt bleibt, wenn religiöse Werte durch interpolierte weltliche Texte zeitgenössischer Autoren in Frage gestellt werden. Eine expressive, fein strukturierte und konstruierte Partitur, die neuartige Klangwirkungen und Effekte mit einfachen Mitteln realisiert. Das Ergebnis ist eine in sich stimmige Komposition, bei der die Aussage des Textes im Zentrum steht und die durch den Surround-Klang dieser Live-Aufnahme noch an Eindringlichkeit gewinnt.

 

Martin Demmler

 

 

Records International Catalogue, April 2005:

 

The principal works on this disc are the commissioned Credo, for the “Forum on Music and the Church" (2000), and the a cappella variant on it, which omits the soloists and added texts incorporated into the original, and is scored in a manner more reminiscent of traditional church music. As a work intended explicitly for church use, and for which one of the requirements was accessibility to, and participation by, the congregation, Credo contains much vocal writing which is resolutely and unequivocally tonal, and soaring lines which have nothing to do with trends in vocal writing in the European avant garde. One senses a strong and deeply committed religious feeling to the work, firmly placing it in the liturgical tradition. The dramatic and lamenting organ work is genrally more dissonant and modern-sounding, though not excessively so, occupying a middle ground somewhere between Messiaen and Ligeti.

 

 

Bonner Rundschau, Ausgabe 9. 2. 2005:

 

Gleich drei Kompositionen mit religiösem Hintergrund aus der Feder des Bonner Komponisten Michael Denhoff sind auf der jüngst gemeinsam mit dem Deutschlandradio Berlin produzierten CD erschienen: op. 41 „Aus tiefer Not" ist ein Orgelwerk, op. 93 a und 93 setzen sich mit dem Nicaeno-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis auseinander, das im 4. Jh. v. Chr. auf den Konzilen in Nicäa und Konstantinopel entstand.

Die Credo-Vertonungen gehen auf das Zusammenwirken mit dem ‚Gesprächskreis zu Fragen von Musik und Kirche’ zurück, die einen Kompositionsauftrag an den Schüler von Hans Werner Henze erteilten. Keine allzu große Besetzung sollte es sein, der Schwierigkeitsgrad ein gewisses Maß nicht übersteigen und nach Möglichkeit die Gottesdienstgemeinde beteiligt werden.

Denhoff hat alle drei Parameter berücksichtigt. Eine Musik voll mystischer Atmosphäre ist entstanden. ‚Die Klänge sind nur die Bilder dessen, was hinter ihnen liegt', schrieb Denhoff in seinen Annotationen über das Komponieren, was sich in dieser mit eher zurückhaltenden Klängen auskommenden Musik widerspiegelt. Integriert sind Texte von Rose Ausländer, Paul Celan, Eva Zeller, Hilde Domin, Kurt Marti, Fernando Pessoa und Thomas Bernhard, welche die Dialektik zwischen Glauben und Zweifel fokussieren. Die Besetzung Sopran (Irene Kurka), Bariton (Alban Lenzen), Chor (Chor der katholischen Hochschule für Kirchenmusik St. Greorgius, Aachen unter der Leitung von Steffen Schreyer), Orgel (Michael Hoppe) und kleines Orchester (Orchester der Kölner Kammermusiker) sowie die bei dem Mitschnitt der Uraufführung in St. Matthias während des Kirchentages in Berlin 2003 integrierte Gemeinde spiegeln einen spannungsvollen Verlauf wider. Insbesondere die extremen, ausdrucksstarken Höhen der Sopranistin beeindrucken.

Die Chorfassung des Credos op. 93 a ist eine Variante des vielschichtigen op. 93, obwohl schlichter besetzt, nicht weniger wirkungsvoll. Der CD liegt ein sehr informatives und umfangreiches Booklet bei.

 

Felicitas Fink 

 


 

Michael Denhoff

„the cello in my life“ – neue Stücke für Violoncello (Campanula) und Klavier

Michael Denhoff, Violoncello & Campanula

Birgitta Wollenweber, Klavier

Cybele SACD 361.401

 

 

Klangbeispiel: Bagatelle V. (…für Erling Blöndal-Bengtsson)

 

 

Magazin www.klavier.de / 2009

 

Musik aus Glas

 

Michael Denhoff schreibt als Komponist und Violoncellist für sein Instrument: Musik der Stille, in die man sich einhören muss, keine publikumswirksamen Kabinettstückchen. Der Komponist sitzt selbst am Cello.

 

Michael Denhoff (geb. 1955) ist zu gleichen Teilen Violoncellist und Komponist. Hans Werner Henze und Jürg Baur sind seine Kompositions-, Siegfried Palm und Erling Blöndal-Bengtsson seine Instrumentallehrer gewesen. In seinem Oeuvre spielt das Cello jedoch (bislang) eine Nebenrolle; die hier präsentierte Auswahl an Werken für Violoncello (oder Campanula) und Klavier aus den Jahren 1996 bis 2003 ist da schon recht repräsentativ. Die Campanula (die ihren Namen tatsächlich von der gleichnamigen Glockenblume hat) ist ein vergleichsweise junges Instrument in der Streichfamilie – man könnte grob vereinfacht sagen, es ist ein etwas anders geformtes Violoncello mit 16 zusätzlichen Resonanzsaiten (wobei natürlich diese Resonanzsaiten das Entscheidende sind und nicht die Form ...)

 

Musik aus Glas

 

Denhoffs Cellowerke sind alles andere als brillante Schaustücke des Virtuosen. Wer in Deutschland als Komponist ernst genommen werden möchte, sollte sich solch oberflächliche Schöpfungen ohnehin verkneifen. Es gilt jedoch fast das Gegenteil: Denhoffs Cellowerke sind im Prinzip bar jeder Publikumswirksamkeit. Vieles wirkt fragmentarisch, improvisierend. Klanggestalten tauchen auf und verschwinden; viel Stille und Lauschen nach den Klängen dazwischen. Filigrane Klanggewebe, fast gläserne Transparenz – aber auch mit deren Zerbrechlichkeit und kalt-unnahbarer Oberfläche. Musik der Stille, die zum Nachdenken auffordert und vom Hörer verlangt, sich in ihre Klangwelt einzulassen.

 

Literarische Quellen

 

Seine Inspiration zieht der Komponist oft aus literarischen Werken – hier ist insbesondere Samuel Beckett zu nennen, dessen Schaffen als Vorlage nicht nur zu '... as when no words’ op. 77 für Klavier und Fern-Cello (der Cellist soll möglicht weit vom Klavier entfernt sitzen, idealerweise in einem Nachbarraum) gedient hat; hier sind sogar (ad libitum) Textfragmente zu rezitieren. Nur für den Spieler als ‚Interpretationsanweisung’ zu lesen sind die zahlreichen Textfragmente in 'Unreceding on’ für Violoncello und Klavier mit der Opuszahl 83e. Opus 83 ist das gewichtige, dreistündige Werk ‚Hauptweg und Nebenwege’ – das hier präsentierte Stück ist der fünfte 'Nebenweg’. Die 'Sieben Bagatellen’ op. 92 von 2001 sind verschiedenen Cellisten gewidmet, darunter Maria Kliegel und Pablo Casals sowie die beiden eingangs erwähnten Cello-Lehrer. Zwei Kompositionen für Campanula und Klavier runden das Programm ab. Bei 'Trace d’Etoile’ op. 87 war eine Skulptur die Inspirationsquelle, bei 'Sobre tantas cuerdas’ op. 72a ist es eine Gedichtstrophe von Jorge Guillén, die als Motto dient.

 

Authentizität

 

Über die Interpretation lässt sich nur Gutes sagen. Aber was würde man auch anderes erwarten, wenn der Komponist selbst am Cello sitzt? Technisch ist sein Spiel über jeden Zweifel erhaben, und aus interpretatorischer Sicht ist der Authentizitätsanspruch schwer zu übergehen. Überzeugend auch die Pianistin Birgitta Wollenweber, welche die erforderliche Bereitschaft zur Ruhe verinnerlicht zu haben scheint. Auch das nicht nur in '... as when no words’ knifflige Zusammenspiel zwischen den beiden Interpreten klappt prima. Musikalisch eine rundum stimmige Sache. Von der Klangqualität lässt sich das nur bedingt sagen; der Ton ist zwar natürlich, und die beiden Instrumente sind gut ausbalanciert, enttäuschend gerät aber insbesondere die Umsetzung der auf SACD ausgelieferten Produktion im Mehrkanalmodus, da hier kaum Räumlichkeit entstehen will. Zumindest beim Fern-Cello wäre sicher deutlich mehr möglich gewesen. Außerdem irritiert ein zugegebenermaßen nicht wirklich störendes, doch aber wahrnehmbares Brummen im Bassbereich – möglicherweise von einer Klimaanlage verursacht. Der Booklet-Text geht ausführlich auf alle Werke ein und bietet auch längere Passagen mit Kommentaren des Komponisten. Die parallele zweisprachige Anordnung (links deutsch, rechts englisch) empfinde ich jedoch als lästig – das macht bei literarischen Übersetzungen (und nur dort) zweifelsohne Sinn. Schön dagegen die Idee, am Seitenrand kleine Abbildungen unterzubringen.

 

Ausblick

 

'Sobre tantas cuerdas’ entstand 2003 als Bearbeitung eines bereits existierenden Werkes. Als Michael Denhoff und Birgitta Wollenweber 2003 die vorliegende Einspielung vornahmen, konnte das Stück als ‚soeben entstanden’ gelten. Und als Cybele die Platte noch im selben Jahr herausbrachte, konnte der Käufer sich des Gefühls erfreuen, gewissermaßen am Puls der Zeit zu sitzen und ganz taufrische Musik zu hören. Aber auch sechs Jahre später lohnt sich der Kontakt mit dieser Musik nach wie vor – und das sicher wegen ihrer Qualität, da sie einen aufmerksamen Hörer verlangt und sich nicht anbiedert. Wer sich für Musik des 20./21. Jahrhunderts ebenso begeistern kann wie für das Violoncello, sollte sich diese Platte merken. Vielleicht gibt es auch bald eine Fortsetzung – in der Zwischenzeit hat Michael Denhoff zumindest zwei weitere Kompositionen für Violoncello und Klavier geschaffen.


Christian Vitalis, 12.12.2009

 

 

FonoForum, Ausgabe 5 / 2004:

 

Neue Musik im Surround-Klang

Michael Denhoff, von Haus aus Cellist, hat bislang eher selten für sein Instrument komponiert, sondern seine großen Zyklen dem Klavier anvertraut. Erst in den letzten Jahren hat er verstärkt für die Besetzung Violoncello und Klavier geschrieben. Diese Werke hat er nun selbst für eine Surround-SACD eingespielt. Denhoff ist ein Komponist der eher leisen Töne. Wilde Ausbrüche oder Klangattacken wird man in seinen Stücken vergeblich suchen. Es ist eine konzentrierte und zarte Musik, die in ihrer gläsernen Klanglichkeit an die Werke Morton Feldmans erinnert. In vielen seiner Arbeiten lässt Denhoff sich von literarischen Quellen anregen. In„... as when no words” ist es ein Text Samuel Becketts, der den gedanklichen Ausgangspunkt bildet. Das Stück kann als Solostück für Klavier oder mit einem zusätzlichen Cello aufgeführt werden, wobei der Cellist möglichst weit weg vom Klavier platziert sein soll, was sich mit der Surround-Technik wunderbar realisieren lässt. „Unreceding on” ist ein sehr ruhiges, vom Violoncello mikrointervallisch aufgefächertes Duo mit dezenten melodischen Bögen. Um Momentaufnahmen handelt es sich hingegen bei den „Sieben Bagatellen” sowie den „Sobre tantas cuerdas”, dem jüngsten Stück auf dieser CD von 2003. Dass Denhoff sich hier von den extrem verdichteten Werken György Kurtägs anregen ließ, ist diesen Miniaturen deutlich anzuhören. In einigen Stücken spielt Denhoff ein Campanula, ein neu entwickeltes Streichinstrument mit 16 Resonanzsaiten, das in diesen Raumklang-Aufnahmen besonders schön zur Geltung kommt. (...) Insgesamt eine gelungene (...) Surround-Einspielung (...), technisch auf höchstem Niveau. (...)

 

Martin Demmler

 

 

Ensemble, Mai-Juni / 2004:

 

Grenzerfahrungen

Da der Kölner Komponist Michael Denhoff von Haus aus Cellist ist, erwartet man bei dieser CD so etwas wie hochvirtuoses, alle Grenzen sprengendes Cellospiel. Aber dann erklingt genau das Gegenteil: ätherisch-zarte, gleichsam erstarrte Klangformeln und –gesten, die Grenzerfahrungen im Innern der Zeit und des Selbst formulieren. So wird das Hören zu einem regelrechten Hörerlebnis, bei dem sich bislang verborgene Innenräume öffnen. Denhoff spielt neben dem konventionellen Cello auch eine mit 16 Resonanzsaiten bespannte Campanula, auf der er seine Klangvorstellungen sehr viel besser als auf einem Cello verwirklichen kann.“

 

Robert Nemecek

 

 

Audiophile Audition, Web-magazine for music, July-August 2004:

 

The accompanying booklet with this disc warns against expecting a virtuosic display by a composer at his chosen instrument – nothing could be farther from that than what you get here, but the results are nonetheless very satisfying. As with most 20th and 21st century chamber compositions, there's a great deal of silence interspersed with the music, but this only heightens the dramatic effect. The writing done for the piano accompaniment here is truly excellent – one almost gets the impression that composer and cellist Michael Denhoff intentionally minimized the role of the cello to emphasize the broad palette of tonal colors the two instruments are capable of during interplay.

The pieces here haven't totally abandoned conventional form, and the playing is quite melodic throughout; especially noteworthy is the contribution from pianist Birgitta Wollenweber – her playing is nothing short of phenomenal, and the recorded sound of the piano just sparkles. There's a low-frequency rumble that's barely perceptible on all of the tracks, but it in no way intruded on my enjoyment of the program. The surround content is pretty much limited to the front channels with some ambience presented by the rears. Switching to the stereo-only tracks did indeed collapse the soundstage slightly.

Any collection of late-20th century chamber music would be incomplete without this disc – very highly recommended.

 

Tom Gibbs

 

 

The Strad, Ausgabe Juli 2004

 

Perhaps the particular interest of this CD for cellists lies in the appearance (the first an disc, to my knowledge) of the campanula, an updated version of the viola da gamba invented by luthier Helmut Bleffer. On it the four strings of the cello are supplemented by 16 strings vibrating sympathetically, like a viola da gamba. They vastly expand the harmonic colours of the standard instrument and of course allow for far greater versatility when it comes to simultaneous bowing and plucking.

You might need a good sound system and some patience to appreciate the full effect of Bleffer and Michael Denhoff's work but it's worth it to hear a striking soundscape of the spacious firmament in Trace d'Etoile. The potential complexity of performance and sonority is no doubt one reason why the mood of these works is gentle, though Denhoff's language is just like that to judge from his relaxed playing style: it seems likely that a performer other than the composer would project a more self determined personality. Even the two minute bagatelles, each dedicated to a great cellist, spend much of their time resonating mournfully. My favourite is the disc's opener, Unreceding On, possibly because of its resemblance to the first Louange from Messiaen's Quartet for the End of Time. The useful programme notes say that Denhoff has studied with both Hans Werner Henze and Siegfried Palm, which would certainly help to account for the atmospheric but mainly conservative piano writing (quite beautifully registered here by Birgitta Wollenweber) and the cello centric exploration of techniques and sonorities. There is a lot of Denhoff to be found out there (as you can see from the Opus numbers) in all the usual genres: I hope that it is as gently persuasive as this.

 

 

Records International, July 2004

 

Eschewing entirely the virtuosic showmanship of the nineteenth-century instrumentalist-composer, cellist-composer Denhoff writes music of fragility and subtlety, weaving lines of the utmost delicacy between the two instruments. Some of the pieces are expressly written for the campanula, a recent development of the cello with 16 sympathatic resonating strings. Music as insubstantial as this demands close attention from the listener, and it says much of Denhoff's skill and seriousness of purpose that it amply repays such dedicated attention to its most minute details.

 

 


 

Michael Denhoff

Mallarmé-Zyklus op. 75

zwölf Quartette für zwölf Musiker

Pro Nova Ensemble der Duisburger Philharmoniker; Ltg.: Michael Denhoff

Cybele 2CD 360.802

 

           

 

Klangbeispiel: vertige - Quartett IV

 

 

 

Besprechung in:

 

Fono-Forum

Klassik heute

Crescendo

Köln-Bonner Musikkalender

Kultura Extra – online-magazin

meOme – online-magazin

Records International Catalogue

American Record Guide

 

kultura-extra.de - online-magazin vom 15.12. 2000:

 

“Zwölf Quartette - von Stille umwebt Der in Bonn lebende Komponist Michael Denhoff (* 1955) hatte sich vor vielen Jahren schon einmal mit dem französischen Symbolisten Stéphane Mallarmé (1842-1898) und dessen Texten beschäftigt, um einen Liederzyklus für Bariton und Ensemble zu vertonen. Da er sich nach eigener Aussage dieses Vorhaben leichter vorgestellt hatte, schrieb er - ohne den ursprünglichen Plan aufzugeben - zunächst 1995/96 seinen aus zwölf Quartetten für zwölf Musiker bestehenden Mallarmé-Zyklus. Angesichts der Schwierigkeiten, die selbst Literaturwissenschaftler trotz intensiver Beschäftigung mit den Texten haben, ist dies nicht weiter verwunderlich. Mallarmés Gedichte erfordern kreatives Lesen. Erst durch Entziffern und Erspüren erschließen sich langsam die Dimensionen rational und emotional hochgezüchteter Poesie. Darin mag ein Grund liegen, weshalb sich Musiker seit jeher mit der “Silbenmusik” des Dichters auseinander setzen. Beispielsweise basiert auch Debussys “Nachmittag eines Fauns” auf einem Gedicht Mallarmés. Michael Denhoff wagte sich gleich an das ungeheuerlichste aller Gedichte, das jemals die Literaturgeschichte hervorgebracht hat. Das über hundert Jahre alte Gedicht “Un Coup de Dés” bedarf alleine schon wegen der grafischen Gestaltung einer besonderen Lesart. Der auf elf Doppelseiten angelegte hoch komplexe Text verwendet frei verteilt stehende Worte in unterschiedlich großen Schrifttypen. Die optische Wirkung des Gedichts als poetisches Ausdrucksmittel findet in der Komposition eine angemessene musikalische Entsprechung. Die vielen Pausen und die Stille der Musik nehmen sowohl Bezug auf die unbeschriebenen Räume zwischen den Worten, als auch konkret auf die Inhalte. So trägt das erste Quartett für Violine, Viola, Violoncello und Klavier den Titel “au silence enroulée” (Von Stille umwebt). Das elfte Quartett für Querflöte, Violine, Viola und Harfe nähert sich der lyrischen Passage “plume solitaire éperdue” (eine einsame taumelnde Feder) mit zarter Melancholie. Die eigenwillige Anordnung der Worte, die beispielsweise von links oben nach rechts unten fallen, verdeutlicht der Komponist im mit “vertige” (Taumelwahn) betitelten vierten Quartett durch lebhafte Klangmotive, die musikalisch Stufen hinunter purzeln. Jedem der Quartette gibt der Komponist durch eine spezielle Instrumentierung eine spezifische Klangfarbe. Zwar ist die Musik auch ohne das Sujet verständlich und bietet genussreichen Klangbalsam mit Tiefenwirkung. Allerdings steigert die Kenntnis des Gedichts das Hörerlebnis, denn die Entdeckung der Korrespondenzen zu Mallarmés Dichtung ist äußerst reizvoll. Die Reihe musikalischer Annäherungen an das Werk des französischen Schriftstellers wird sicherlich jene Fortsetzung finden, zu der Mallarmé selbst im letzten Satz seines Gedichtes animiert: “Jeder Gedanke wagt einen Würfelwurf.” Doch unter dem musikalischen Aspekt steht bereits jetzt zweifelsfrei fest: Michael Denhoff ist mit dieser potenzierten Kammermusik in der Quartett-Literatur ein großer Wurf gelungen. Der Live-Mitschnitt des Konzerts vom 23.2.2000 mit dem Pro Nova Ensemble der Duisburger Philharmoniker unter der Leitung des Komponisten steht für absolute Authentizität und hohe Spielkultur.”

 

 

Köln-Bonner Musikkalender, Januar 2001:

 

“Die Poesie des Franzosen Stéphane Mallarmé hat seit ihrer Entstehung vor rund hundert Jahren die Musiker fast magisch angezogen, vor allem wohl wegen der ‘Musikalität’ seiner Sprache, aber auch ob ihres meist rätselhaften, verschlüsselten Sinngehalts, der viele Komponisten dazu inspirierte, das in den Worten Verschwiegene in Klängen ‘auszusprechen’. Nicht nur in Frankreich, wo man Ravel oder Boulez als namhafte Autoren nennen möchte, sondern auch in Deutschland beschäftigt Mallarmé die Tonsetzer seit langem, und der Bonner Michael Denhoff hat einen ganzen Zyklus von zwölf Quartetten für zwölf Musiker verfasst, die sich jeweils abwechselnd zu Quartettbesetzungen formieren, um den Geheimnissen des 1897 erschienenen ‘UN COUP DE DES’ musikalisch nachzuspüren. Es handelt sich also um keine ‘Vertonung’ des Textes im ursprünglichen Sinne, weil gar keine Singstimmen beteiligt sind, und dennoch ‘redet’ diese Musik auf faszinierende Weise. Man braucht dazu gar nicht einmal die Worte des Gedichts (...), um diesen Sprachcharakter zu empfinden. Das zeigt sich vor allem in der sehr freien, keinerlei Taktschwerpunkten folgenden Rhythmik, die sich in vielen langsamen Partien gänzlich zu verflüchtigen scheint zugunsten schwebender Klanggewebe, wie man sie etwa bei Morton Feldman findet (den Denhoff, wie er freimütig zugibt, sehr bewundert). Durch den Wechsel der Besetzung wird indes eine Klangvielfalt geschaffen, die allein schon Neugier und Spannung beim Hören wach hält; wann gab es je eine Komposition von Englischhorn, Trompete, Kontrabaß und Schlagzeug? Die vorliegende Aufnahme einer Aufführung des Zyklus vom Februar 2000 in Duisburg ist vom Komponisten selbst betreut worden und darf somit als authentisch gelten.”

 

 

FonoForum, Ausgabe 2/2001:

 

“Kunst, Literatur und natürlich das Leben (man denke an quasi musikalische Tagebücher wie “Hauptwege und Nebenwege” oder “Hebdomadaire”) sind mit der Musik von Michael Denhoff untrennbar verschwistert, einer Musik, die ihren Inspirationsquellen allerdings höchst selten in konkreter Abbildlichkeit begegnet. So nähert sich der Mallarme-Zyklus (1995) seiner ohnehin unübersetzbaren Vorlage in eher diskreter Weise, erklingt doch im eigentlichen Sinne kein Wort aus “Un coup de des” (“Ein Würfelwurf `). Vielmehr korrespondiert der rein instrumentale Zyklus für zwölf Quartette in wechselnder Besetzung mit der semantischen Offenheit und morbiden Mystik von Mallarmes polyperspektivischem Sprachexperiment, indem lediglich einzelne Textfragmente den Sätzen als atmosphärisches Motto vorangestellt sind. Die Sätze werden in offener, per Würfel zu bestimmender Folge vorgetragen. Denhoff entspricht dem fragmentarischen Gestus einer Dichtung, in der, laut Mallarme, der Leere, “dem Weiß” entscheidende Bedeutung zu kommt, mit einer Musik von splittriger, fragiler Faktur, die alles andere als am Text entlang komponiert ist - Leerstellen von Sprache, Laut und Klang. Jedes Quartett zeigt ein eigenes Gesicht, da in einer allmählichen Klangfarben-Verschiebung jeweils ein Instrument wegfällt und ein neues hinzutritt. Der bemerkenswert differenzierte Live-Mitschnitt unter Leitung des Komponisten vermittelt die knisternde Spannung, die im Duisburger Technologiezentrum lag. Auf der Stuhlkante lauscht(e) man Denhoffs brüchiger Klangpoesie, hin- und hergeworfen zwischen zielloser Unrast und abgründigem Schweigen - bis in “Du fond d’un naufrage” nur noch schüttere Zeichen des Scheiterns zu vernehmen sind.”

               

Dirk Wieschollek

 

 

Musik im 21. Jahrhundert, meome.de vom 21.03.2001:

 

Mallarmés Gedicht UN COUP DE DÉS, 1895 entworfen und 1897 erstmals in der Zeitschrift "Cosmopolis" veröffentlicht, ist kein konventioneller Text. Es handelt sich dabei vielmehr um ein Textlabyrinth, in dem sich der Leser gewissermaßen verlaufen kann. "Komponiert wie eine virtuelle Partitur mit vexatorischen Elementen", so der Komponist Michael Denhoff, "läßt sich dieses Gedicht nicht einfach im üblichen Sinne entschlüsseln, sondern es fordert einen Leser, der Lesen im emphatischen Sinne versteht, als einen Vorgang des Entzifferns, der mehr ist als nur analytisches Begreifen und Durchdringen, es fordert einen Leser, der nicht in erster Linie nach dem konkreten Sinn der Worte fragt, sondern nach dem in ihnen Angedeuteten sucht, das offen für verschiedene Möglichkeiten sein kann, tastend und innehaltend. Die Klanggestalten der Wörter, ihre eigenwillige Rhythmisierung durch die freie Verteilung des Textes auf den Seiten, die somit von Schweigen und Leere umgebene poetische Stimme, sie verlangen vom Leser eine Haltung, bei der Verstehen eine kreative Dimension bekommt!" Mit diesem poetischen Entwurf setzt sich Denhoff in seinem ausgedehnten zwölfteiligen Mallarmé-Zyklus op. 75 (1995-97) auseinander. Der Komponist begreift sein Werk als "eine musikalische Gestalt gewordene Art dieses Unterfangens Lesen: es ist der Versuch, mir mit meinen Mitteln «UN COUP DE DÉS» kreativ zu erschließen", als eine sehr persönliche Annäherung an das Medium des Wortes mit den Mitteln einer Musik, die auf das Geschriebene reagiert. Zwölf Quartette für zwölf Musiker - so der Untertitel der Komposition - sind es, die sich in wechselnden Besetzungen auf Mallarmés Dichtung zubewegen. Dabei hat Denhoff den Text in ausgewählten Segmenten zum Ausgangspunkt für bestimmte musikalische Überlegungen gemacht, ohne jedoch die Musik zur bloßen akustischen Bebilderung der Dichtung zu benutzen. Jedes der zwölf Quartette ist durch spezifische klangliche Eigenarten charakterisiert, die sich durch seine Besetzung ergeben. Der Komponist fixiert den musikalischen Text zwar exakt, lässt allerdings die Hör-Richtung im Gang durch die gesamte Partitur bedingt offen, da er sechs mögliche Anordnungen der Quartette vorgibt. Die beim Label CYBELE veröffentlichte Doppel-CD bringt die einzelnen Abschnitte der Komposition in ihrer numerische Abfolge und vollzieht damit eine graduelle, kreisförmig angelegte Klangfarbenveränderung, die durch das jeweilige Abtreten eines Musikers und das Hinzukommen des nächsten entsteht. Die übrigen Lesarten lassen sich gegebenenfalls durch entsprechende Programmierung eines CD-Players mit CD-Wechsler abrufen. Denhoffs Umgang mit den Klangfarbenkombinationen und -kontrasten beeindruckt durch seine Vielfalt an Nuancen: da gibt es etwa leise changierende Melodiesegmente, die sich mit stehenden Klängen abwechseln (Quartett 1: "au silence enroulée"), choralartige Elemente, in die wahre Klangblumen hereinplatzen (Quartett 3: "rhyhtmique suspens du sinsitre"), Trauermarsch-Evokationen mit abgedämpften Instrumentalfarben und dumpfen Trommelklängen (Quartett 6: "Une insinuation simple"), melismenreich verschlungene Melodie-Arabesken, die in Echos zerfasern (Quartett 10: "en sa torsion de sirène") oder die Kontrastierung verschiedener Ausdruckshaltungen durch ineinandergleitende Klangfächen und geräuschhafte Streicherakkorde (Quartett 12: "DU FOND D'UN NAUFRAGE"). Das zwölfköpfige Pro Nova Ensemble der Duisburger Philharmoniker überzeugt beim Vortrag der abwechslungsreichen Partitur durch eine differenzierte Wiedergabe der einzelnen Klangsituationen. Dieser packende und atmosphärische Live-Mitschnitt eines Konzerts, das im Februar 2000 im Technologiezentrum Duisburg-Neudorf stattfand, dokumentiert das Schaffen des Komponisten Michael Denhoff von seiner vielleicht spannendsten Seite.

 

 

crescendo - Das Klassik-Magazin, Ausgabe 2/2001:

 

”Michael Denhoff ist zwar kein Unbekannter mehr auf dem Feld der Neuen Musik, doch ist ihm bisher der große Durchbruch versagt geblieben. Gut möglich, daß sich das mit dieser CD ändert. Denn bei den zwölf (rein instrumentalen) Quartetten für zwölf Musiker nach Gedichten von Mallarmé handelt es sich um sehr sensibel konstruierte und spannungsreiche Kompositionen. Insbesondere der ständige Wechsel der Besetzungen (von Stück zu Stück wird jeweils ein Instrument durch ein anderes ersetzt), durch den sich ein fein durchgehörtes Changieren der Klänge und Charaktere ergibt, überzeugt. Das Pro Nova Ensemble der Duisburger Philharmonie weiß unter der Leitung des Komponisten die weitgehend in gedeckten Farben und zarten Tönen gehaltenen Stücke souverän und einfühlsam umzusetzen.”

 

 

Records International Catalogue, April 2001:

 

“These twelve quartets for different groups of instruments drawn from a group of twelve musicians (some doubling instruments)- very different, and covering a wide range of durations as well - constitute twelve steps towards, not an understanding, but a comprehension of the ambiguity and shifting meanings of the poetry of Mallarmé. In a manner strangely comparable to Mallarmé's verbal compositions, these pieces progress through an atmospheric sequence (or rather, several possible sequences, as they can be played in 6 different sequences, described in the booklet so that the listener can program his or her CD player accordingly) in which meaning seems to be just on the edge of the imagination, yet constantly elusive. Sometimes the music is reassuringly, if deceptively, tonal, consonant certainly; at others, frankly atonal, though eschewing avant-gardism in the same way as Mallarmé wrote poetry using conventional words, albeit laid out in sequences designed to hint at if not actually conceal precision of meaning. Fascinatingly diverse and strangely beautiful.”

 

 

Klassik heute, Ausgabe 6 / 2001:

 

“Vergleichbar seinem Werk ‚Atemwende’ (Klavierstücke nach Gedichten von Paul Celan) hat sich der Komponist Michael Denhoff (Jg. 1955) auch in seinem ‚Mallarmé-Zyklus’ von Dichtung zu einem allerdings rein instrumentalen Werk inspirieren lassen. Ausgangspunkt war das Gedicht ‚Un Coup de des’ von Stéphane Mallarmé mit seinen labyrinthischen Wortkombinationen und -assoziationen, eine Dichtung, die auch dem Betrachter ein eher assoziatives, klangorientiertes, man kann sagen: nichtsemantisches Lesen abverlangt. Die Musik sucht so etwas wie eine nonverbale Klangmystik aus dem Text in die musikalische Komposition zu übertragen, aber dies auch wiederum nicht nach einem “Eins zu eins”-Verfahren, nicht im Sinne eines “Übersetzens”, sondern des Nachschöpfens im ureigenen Medium eines Komponisten. In den zwölf Teilen wechselt jeweils ein Instrumentalist seinen Platz mit einem anderen, doch sind die Teile nach einem Würfelsystem in einem festgelegten Rahmen beliebig zu verknüpfen. Michael Denhoff versteht es, seine Klangwelt - die verschiedene stilistische Strömungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts reflektiert - immer mehr eigenständig und fern von Schulen oder Gruppen zu entwickeln und ihr eine ganz persönliche Expressivität zu verleihen. Das ist zwar nicht im klingenden Ergebnis, aber im ästhetischen Ansatz der Musik von György Kurtág verwandt, und so überrascht es dann auch nicht mehr, daß im dritten Stück des Mallarmé-Zyklus Kurtágs ‚Ligatura. Message to Frances-Marie’ zitiert wird und im zehnten Stück dessen ‚Quasi una fantasia’. Die Mitglieder der Duisburger Philharmoniker haben den Zyklus bereits mehrfach aufgeführt, doch ist für ein solches abendfüllendes und doch recht aufwendiges Werk die Schallplatte das nahezu ideale Vermittlungsmedium. Eine sehr intensiv ausgehörte und klangschöne Wiedergabe hält über gut 90 Minuten die Spannung wach. Man möchte dem Herausgeber sicher nichts Unzumutbares nahelegen, aber bei einer derart interessanten Beziehung zwischen Dichtung und Musik wäre ein Abdruck des Gedichtes von Mallarmé im Booklet doch hilfreich gewesen.”

               

Hartmut Lück

 

 

The American Record Guide, Juli / August 2001:


“This is one of those pieces of music that is an outgrowth of its composer’s deepest thoughts about a non-musical topic, in this case the French symbolist poet Stéphane Mallarmé’s poem, Un Coup de Des. And if you want to know what the composer has to say about such works, you have to wade through paragraphs that challenge comprehension-especially if translation is involved. Composers often assume a certain level of listener knowledge. In this case, for instance, composer Michael Denhoff (b 1955) doesn’t tell us about the French symbolist movement in poetry the fact that its proponents (including Mallarmé) tried to make music with their words, choosing words more for their sound than their meaning. He doesn’t tell us that Un Coup de Des means “A throw of the dice”, and that Mallarmé told the reader to roll a die to determine the Order of the poem’s parts. He doesn’t say that this is why he instructs us to roll a die to determine which of six different orders to use in listening to his 12-part piece. He does tell us, in many words, the obvious: that his instrumental piece cannot literally depict the poem. “The 12 quartets for varying instruments are like 12 musical steps toward Mallarme’s poem”, he writes via translator Catriona Kopschina. “My Mallarme cycle is not just intended to be an acoustic illustration of the text, but picks out single configurations and, by means of this analytical approach, tries to create a picture of the whole through allusions, circumscription, and suggested specific moods.” Perhaps the most useful information he supplies is the fact that when one quartet ends, one musician leaves and is replaced by another; this is the next quartet. Thus, the instrumentation changes from quartet to quartet by one player at a time; each musician plays in four quartets. The last thing I tried to do was to figure out what the titles mean. Translated literally, they sound a little like nonsense phrases, so I’ll leave them to your imagination. Quartet 1 (au silence enroulee - for violin, viola, cello, and piano) begins with a quiet sonority, sounded several times an the piano. Gradually the strings enter, playing one note, waiting, eventually playing a couple of notes. Even later, when more is happening, it’s tentative and ethereal. The harmonies are not truly consonant, but they are not terribly dissonant, either. Quarter-topes are heard now and then. The violist leaves and is replaced by a clarinetist for Quartet 2 (l´Abîme), where the action begins to pick up. By 5:00, the intensity is at a moderate level, and the harmonies are stark. After a pregnant pause, the action resumes and becomes even more intense. Another long pause is followed by a quiet section with quarter-topes. Silence. Then things get interesting, with punched piano chords, string pizzicatos, occasional clarinet melismas, and reverberating piano strings. In Quartet 3 (rythmique suspens du sinistre’, violin is replaced by trombone, and the keeper the performer searches for dirty keys an the piano and proceeds to clean them. This would make a fine companion piece to Stravinsky’s Piano RagMusic.

 


 

Michael Denhoff

Hebdomadaire op. 62

52 Stücke vom Jahr für einen Pianisten

Birgitta Wollenweber, Klavier

col legno 2 CD 20011

 

 

 

Klangbeispiele:

Nr. 27 Prolog (Klangszene III)

Nr. 33 Étude (hommage à Ligeti)

 

 

Substantiell

 

Am Klavier schätzt Michael Denhoff (geb. 1955) die altbekannten, nur scheinbar widersprüchlichen Tugenden: das breite Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten und die gleichzeitige Beschränkung aufs Wesentliche, ohne „kulinarisches Blendwerk”. Von dieser Maxime wird „Hebdomadaire (1990) getragen, ein großdimensionierter Zyklus aus 52 wöchentlichen Miniaturen, eingeteilt in vier Hefte zu je 13 Stücken, dramaturgisch und strukturell vielfach untereinander verbunden. Er verblüfft nicht nur durch die konzise Verdichtung von Ausdrucksmomenten und die Reduktion der Materialsubstanz auf wenige Bausteine, sondern auch als Kompendium, als Kosmos von Bezügen zu Formgestalten, musikalischen Charakteren und fremdem Vokabular: Doch ist Denhoffs Arbeit weniger Musik über Musik im postmodernen Gewand als ein Spagat zwischen Allusion und Personalsprache, der neben den historischen Bezügen in ein ausgedehntes Beziehungsgeflecht aus Widmungen und Hommagen eingebunden ist: Ein Höhepunkt: „Stele” in memoriam Luigi Nono, Fixpunkt extremer Reduzierung und unmittelbarer Trauerarbeit.

Im rhythmisch orientierten dritten Heft werden die Klangstrukturen durch die dezente Integration von Schlaginstrumenten erweitert: Heft vier konzentriert Denhoffs Idee vom „Anknüpfen und Fortsetzen” in den sogenannten „Klangbriefen”. Aus einem minimalen, aber signifikanten Ausgangsmaterial (einem „fremden” Akkord, Motiv, Intervall, Tremolo u. ä.) entsteht das Eigene. Der „Klangbrief über ein Signal (an Mahler) für Hans Werner Henze” z. B. spinnt die Trompetenstöße vom Beginn der fünften Sinfonie fort zur exaltierten Episode in eher ruhigem Umfeld.

Birgitta Wollenweber hält sich sensibel an die kompositorische Faktur. Somit ist Transparenz angesagt, kein Klangnebel.

                                                              

Dirk Wieschollek, Fono-Forum Oktober 1999

 

»Sowohl für das Erproben neuer formaler wie struktureller Ideen als auch für die Erfindung farblich-harmonisch neuer Klangvisionen ist für mich das Klavier das Instrument geworden, das mir die reichste Palette an Ausdrucksmöglichkeiten bietet. Die kompromisslose Ausreizung der Extreme, die unendliche Vielfalt emotionalen Ausdrucks und das breite Spektrum musikalischer Rede lassen sich kaum besser und radikaler realisieren, als in der Beschränkung auf das von einem Musiker an diesem Instrument Darstellbare. Alles kulinarische Blendwerk eines größeren Instrumentalapparates entfällt, übrig bleibt das Wesentliche: die geistige Substanz.« So schreibt Michael Denhoff in der Einführung zu »Hebdomadaire op. 62. 52 Stücke vom Jahr für einen Pianisten« (1990). Der Zyklus ist in vier Teile zu jeweils dreizehn Stücken gegliedert, wobei diese innerhalb der vier Teile als geschlossenes Ganzes gedacht sind, durch formale, harmonische und andere Beziehungen zusammenhängend. Die Bandbreite reicht dabei von formal erfundenen, Charakterstücken, Widmungsstücken, über Hommagen an lebende Komponisten bis zu den eindringlichen Klangbriefen des vierten Teiles. Im dritten Teil etwa lässt Denhoff zusätzlich einige Schlaginstrumente, ein mechanisches Metronom und Stimme hinzutreten, allerdings immer wesentlich in den Gesamtzusammenhang eingebunden, nie als bloßen Effekt aufgesetzt. Das abschließende vierte Heft besteht aus einer Eröffnung – »ENIGMA (Motto)« – und zwölf so genannten »Klangbriefen«, als neu definierte Form »musikalischer Vergangenheitsbewältigung«: Der »Klangbrief über ein Tremolo« lässt Schuberts Fantasie für Violine und Klavier vorüberziehen, während Saties »Vexations« ebenso auftauchen, wie Liszts spätes Klavierstück »Nuages gris« oder Mahlers Fünfte. Und ähnlich, wie Schumann seine Liederzyklen (in durchaus autobiographischer Weise) mit einem das Gewesene umfassenden Nachspiel beschloss, nimmt auch Denhoff das letzte Wort sich selbst in dem »Klangbrief über ein Echo (Selbstbildnis)«. Die deutsche Pianistin Birgitta Wollenweber unternahm diese lohnende Reise durch das pianistische Jahr: Eindrucksvolle Klaviermusik, exzellent interpretiert.

 

www.positionen.net

 

 

weitere Pressestimmen in Auszügen zur Ersteinspielung von HEBDOMADAIRE:

 

 

A summing-up

 

Hebdomadaire is a vast cycle of piano works that represents a summing-up of the Denhoff's musical ideals in condensed miniatures, conforming to the composer's view that the piano allows expression of the musical essence, devoid of distracting instrumental devices. The individual pieces cover a wide range of moods and allusions to other composers and classical models, but essentially the style is one of free atonality and the concise exploration of small-scale motifs. It might be hard to imagine a large, expansive work composed along these lines, but in this context, with this kind of skillful piano writing, they pieces work admirably as little, detailed "snapshots", each one illustrating a theme of importance to the composer.

 

                Records International Catalogue, July 1999

 

 

Hochgeistige Substanz

 

...Tatsächlich bietet das geradezu riesenhafte „Wochenbuch” mit seinen mehr als zwei Stunden Musik eine dramaturgisch und thematisch eng verwobene Abfolge von Stücken, eine Essenz, die den Formwillen des Komponisten geradezu in jeder Passage widerzuspiegeln scheint. Mit der Pianistin Birgitta Wollenweber hat der Komponist eine ideale Interpretin für seine „52 Stücke vom Jahr” gefunden, was nicht zuletzt ihre zahlreichen gelungenen Aufführungen in den vergangenen Jahren belegen.

 

Robert Fontani, Bonner Generalanzeiger, August 1999

 

 

Musikalische Rede

 

...Die Titel der 52 Miniaturen offenbaren sogleich, dass es sich hier um ein Kompendium der stilistischen und epochalen Allusionen handelt, nicht zuletzt um eine Art musikhistorisches Panorama, erkennbar an den Widmungen. Anleihen allenthalben, aber keine, die den Ruch des Eklektizistischen hätte. Diese Musik kommt trotz aller Anverwandlung ohne die Vorsilbe „Neo” aus.

Denhoff geht es primär um die Darstellung von musikalischer Rede im Sinne Beethovens. In der Konzentration auf das Klavier sieht er eine Möglichkeit, frei vom „kulinarischen Blendwerk eines größeren Instrumentalapperates” zu arbeiten und so zum Wesentlichen vorzustoßen, der Idee. Hebdomadaire spiegelt auf diesem Hintergrund seine intensive Auseinandersetzung mit Musikgeschichte und dem scheinbar erschöpften Ausdrucksreservoir des Klaviers wider...

Birgitta Wollenweber hat  diese Zusammenschau, die Bernd Alois Zimmermann als die „Kugelgestalt der Zeit” bezeichnet hätte, von Beginn an im Visier.

 

Annette Eckerle, Neue Zeitschrift für Musik, Januar 2000

 

 

Großformatiger Zyklus

 

... Wo manche das Klavier schon für tot erklärt haben, gehört sicherlich Mut zu einer solchen Kompositionsweise; andererseits aber wirkt nach dem Ende fundamentalistischer Musikbetrachtung diese Art des Musizierens irgendwie wieder völlig natürlich.

Daran hat die sehr feinfühlige und klangschöne Wiedergabe durch Birgitta Wollenweber ihren erheblichen Anteil. Ihre Technik ist souverän genug, um sich ganz den inneren Klangwelten dieser oft aphoristischen Stücke zu öffnen und einen dramaturgischen Bogen durchzuhalten.

 

Hartmut Lück, KLASSIK heute, Mai 2000

 

 

 

 

Michael Denhoff

in Kürze  |  zur Person  | vita english  |  Werkverzeichnis  |  Werkkommentare  |  Bibliographie  |  Diskographie  |  Klangbeispiele  |  Textbilder

Notarium  | Klangtagebuch  |  Uraufführungen  |  Pressestimmen  |  Galerie  |  Interpreten  |  Downloads  |  Adressen & Links  |  Sitemap